Kommentar Gadaffi in Italien

Das desolate Duo

Das Treffen von Berlusconi und Gadaffi ist bezeichnend für den desolaten Zustand der euro-afrikanischen Beziehungen.

Gaddafi bei Berlusconi: Da treffen sich die Richtigen. Aber der Staatsbesuch des libyschen Revolutionsführers in Italien ist mehr als eine mediterrane Burleske.

Gaddafi kommt als Führer Afrikas: Er hat den Vorsitz der Afrikanischen Union inne. Und nach dem Tod des Gabunesen Bongo ist er der dienstälteste Staatschef der Welt. Berlusconi wiederum steht für Europa an vorderster Front beim Schutz seiner Außengrenzen, er ist der Architekt einer beispiellos inhumanen Abwehrstrategie gegen afrikanische Boatpeople, die jetzt weit vor dem europäischen Festland abgefangen werden.

Das Aufeinandertreffen dieser beiden Gestalten ist bezeichnend für den desolaten Zustand der euro-afrikanischen Beziehungen. Berlusconi ist für Europa keine Leuchtfigur, sondern vielmehr Inbegriff der Verquickung privater und öffentlicher Interessen und der Aushöhlung des Rechtsstaats. Gaddafi ist für Afrika kein Vorbild, sondern ein Rassist und Diktatorenfreund, der Schwarzafrikaner offen verhöhnt und mit Ölmilliarden herumwirft, um sich ihre Huldigung zu sichern.

Europa profitiert nun vom Ergebnis dieser Kumpanei. Italien bricht das Völkerrecht, um afrikanische Flüchtlinge ohne Prozess dem Gulag eines unmenschlichen libyschen Abschiebesystems zu überlassen. Und Afrika ist machtlos.

Die peinlichen Erinnerungen an vergangene schummrige Geschäfte, die der Tod des milliardenschweren Diktators Omar Bongo aus Gabun in Frankreich geweckt hat, sind ein ebenso beredtes Zeichen für die Krise der euro-afrikanischen Beziehungen wie die obszöne Zurschaustellung Gaddafis in Rom. Beide afrikanischen Herrscher haben eines gemeinsam: Sie gestalten Politik dadurch, dass sie die absolute Verfügungsgewalt über die Vergabe ihrer Rohstoffe und die Milliardeneinnahmen aus der Ölförderung ihrer Länder beanspruchen und damit Einfluss erkaufen, in Europa wie in Afrika. Auf diese Weise sind Bongo und Gaddafi die engsten Freunde ihrer jeweiligen ehemaligen Kolonialmächte geworden, egal ob in Rom und Paris links oder rechts regierte. Das ist die Realität des Verhältnisses zwischen Europa und Afrika. Und das wissen die Afrikaner. Genau deswegen sind sie auf der Flucht.

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Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.

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