Die Ja-aber-Freiheit

"Im Iran bin ich als Frau kein Mensch"

Im Iran wurde Alham Abrahimnejad bestraft wie eine Verbrecherin. Weil sie frei leben wollte. So floh sie nach Deutschland. Aber auch hier darf sie nicht über sich bestimmen.

So ist es gewünscht: Frauen im Iran müssen ihre Haare verdecken. Bild: ap

Alham Abrahimnejad ist es müde, immer wieder zu erklären, wie der Widerstand der Frauen im Iran aussieht: Dass eine Frau, die öffentlich eine Zigarette raucht, eine Frau, die Fahrrad fährt, eine Frau, die ihre Hosenbeine in die Stiefel steckt, aktiven Widerstand im Iran praktiziert. „Schon Haare zeigen ist Protest“, sagt sie der sonntaz. Die 29-Jährige Frau hat sich noch weiter gewagt. Sie hat demonstriert und immer wieder, vor allem an der Universität, Gleichberechtigung gefordert. Vor zwei Jahren wurde es zu gefährlich für sie. Sie floh nach Berlin.

Frei denken, frei reden, frei sich bewegen – das ist Alham Abrahimnejads Traum. Weil sie immer wieder versucht hat, den Traum zu leben, hat sie den Alptraum Iran zu spüren bekommen. Sie wurde geschlagen. Sie wurde mehr als einmal verhaftet. Sie wurde sogar gezwungen zu heiraten. Vom Staat. Hätte sie es nicht getan, wäre sie ausgepeitscht worden und hätte ins Gefängnis gemusst. Wofür diese drakonische Strafe? Abrahimnejad war mit Freunden und Freundinnen in einer Wohnung auf einer Party, die von der Polizei gestürmt wurde. Weil Männer und Frauen miteinander feierten, ohne verheiratet zu sein.

Geht es um Frauen, ist die Gesetzgebung in der vor 30 Jahren gegründeten Islamischen Republik Iran extrem diskriminierend. Neben strengen Kleidervorschriften sind Frauen auch in vielen Rechtsbereichen, wie dem Erbrecht, dem Scheidungsrecht, dem Sorgerecht stark diskriminiert. Vor Gericht sind ihre Zeugenaussagen nur halb so viel wert wie die Aussagen eines Mannes. Gegen diese Ungerechtigkeiten hat Abrahimnejad sich aufgelehnt.

In Berlin, so hoffte sie, würde sie Asyl bekommen. Aber ihr Asylantrag wurde abgelehnt. Fazit: Ihr Kampf gegen die Unterdrückung der Frau im Iran reiche nicht, sie als politisch Verfolgte anzuerkennen. Mit dieser Entscheidung schreiben die deutschen Behörden die Unterdrückung der Frauen im Iran fort. Denn im Umkehrschluss heißt dies für die Iranerin: Du musst dich unterdrücken lassen. Abrahimnejad klagt gegen die Ablehnung ihres Asylantrags. Der juristische Weg kann Jahre dauern. Als Asylbewerberin darf sie nicht studieren und nicht arbeiten.

Anders erging es Abrahimnejads Bruder. Er ist schwul. Auf Homosexualität steht im Iran die Todesstrafe. Schon drei Wochen, nachdem er nach Deutschland kam, wurde seinem Asylantrag statt gegeben. Er kann sich hier ein neues Leben aufbauen. Staatlich verfolgte und bedrohte Homosexuelle werden durch die Genfer Konvention geschützt. Nicht so Frauen, die ihr Leben riskieren, weil sie sich für die Einhaltung von Frauenrechten einsetzen. „Im Iran bin ich als Frau kein Mensch und in Deutschland bin ich als Asylbewerberin kein Mensch“, sagt Alham Abrahimnejad.

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