Kommentar Grüner Parteitag: Regionale Farbenspiele

Jamaika oder Rot-Rot-Grün, darüber schwiegen sich die Grünen auf dem Parteitag weitgehend aus. Jeder Landesverband soll machen dürfen, was er für richtig hält.

Mit einem leisen Plopp zerplatzte auf dem Grünen-Parteitag in Rostock die Blase "Jamaika - die Grünen sind keine linke Partei mehr". War da was? Nö. Wochenlang hatten prominente und b-prominente Grüne aus den Ländern gewichtige Papiere geschrieben und großmäulig erklärt: Die Grünen müssten sich aus dem Rechts-links-Denken lösen, sich öffnen auch und gerade für schwarz-gelb-grüne Koalitionen.

Doch siehe da, kein einziger dieser Anträge stand auf dem Parteitag noch zur Abstimmung. Sie waren sämtliche in Bröckchen zerpflückt, eingeweicht und von der Parteiführung sanft in den Teig des Leitantrags einmassiert worden. Das Ergebnis: Die Grünen in den Ländern machen weiterhin, was sie für richtig halten. Und im Bund ist die logische Folge aus Schwarz-Gelb, dass 2013 Rot-Rot-Grün denkbar ist. So weit war man am vorher auch.

Doch rührte die plötzliche Harmonie ja bloß daher, dass die interessanten Fragen erneut nicht gestellt wurden. Wie bei den Landtagswahlen 2010 und 2011 die Grünen ihre so hoch gehaltenen Inhalte in schwarz-grüne und Jamaika-Koalitionen etwa in Baden-Württemberg tragen sollen, ohne den Oppositionskurs im Bund zu beschädigen - davon hatte offenbar niemand eine konkrete Idee. Dabei gibt der deutsche Föderalismus den Grünen sogar Hilfestellung. Denn Gesundheits-, Renten- und Arbeitsmarktpolitik - woran sich die Lagerzugehörigkeit vor allem festmacht - sind keine Ländersache.

Die Sozialpolitik der Länder ist vornehmlich Bildungspolitik, die sich, wie Hamburg zeigt, mit manchen CDUlern sogar machen lässt. Zu vermuten steht daher, dass sich der Trend zur grünen Multiregionalpartei verstärken wird. So fremd, wie die Saargrünen heute schon allen anderen sind, könnten sich bald auch Schwabengrüne und Bremengrüne sein. In dieser Hinsicht ähneln die Grünen dann schon einer Volkspartei, zu der die Realos sie so gern machen wollen.

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Chefredakteurin der taz. Von 2014 bis 2020 beim Deutschlandfunk. Davor in der taz als Chefin vom Dienst, Sozialredakteurin, Parlamentskorrespondentin, Inlandsressortleiterin. Zwischendurch auch ein Jahr Politikchefin bei der Wochenzeitung „der Freitag“.

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