Israels Armee tötet sechs Palästinenser: Razzia unter fragwürdigen Umständen

Israels Armee erschießt drei Palästinenser bei einer Militäraktion in der Stadt Nablus. USA verlangen Erklärung. Auch im Gazastreifen werden drei Palästinenser getötet.

Israelischer Soldat am 26.12. in Nablus. Bild: reuters

BERLIN taz | Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat am Sonntag die Erschießung von drei Palästinensern in der Altstadt von Nablus im Westjordanland und drei weiteren an der Grenze zum Gazastreifen verteidigt. "Wir werden uns weiterhin aggressiv verteidigen und auf jeden Angriff oder Raketenbeschuss auf israelische Bürger reagieren", sagte er in Jerusalem.

Israelische Sicherheitskräfte und Angehörige der Geheimdiensteinheit Dudevan hatten am frühen Samstagmorgen drei frühere Kämpfer der Al-Aksa-Brigaden in ihren Häusern in Nablus erschossen. Israel macht die Männer, von denen zwei lange Jahre in israelischen Gefängnissen einsaßen, für den tödlichen Anschlag auf den Siedler Rabbi Meir Hai verantwortlich, der am Donnerstag am Eingang der Siedlung Shavei Shomron im Norden des Westjordanlands in seinem Auto erschossen worden war. Zu dem Anschlag hatte sich eine Abspaltung der Fatah-nahen Al-Aksa-Brigaden bekannt.

Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajad warnte vor einer Eskalation der Gewalt und verurteilte das Eindringen der israelischen Streitkräfte in das Autonomiegebiet. Angesichts dieser Beschwerden verlangten US-Behörden am Sonntag von Israel eine Erklärung für das Vorgehen in Nablus.

Nach Angaben von Familienangehörigen waren alle drei Getöteten unbewaffnet, als sie in der Nacht in ihren Häusern von Kugeln durchsiebt worden seien. Der 39-jährige Ghassan Abu Shark wurde laut Bericht seines Bruders zuerst von vermummten Kollaborateuren identifiziert, bevor die Soldaten das Feuer auf ihn eröffneten. Bei dem 33-jährigen Anan Subhi handelte es sich um einen Exkämpfer, dem in einer israelisch-palästinensischen Vereinbarung volle Amnestie zugesagt worden war. Der 38-jährige Raed Sarakji starb nach Angaben seiner Frau in ihren Armen, als Soldaten durch Tür und Fenster schossen. Laut palästinensischer Polizei hätten alle drei festgenommen werden können.

Im Gazastreifen wurden am Samstag drei junge Palästinenser aus einem Militärflugzeug heraus erschossen, als diese sich dem Grenzzaun näherten. Ein Armeesprecher sagte, die drei hätten "feindselige Absichten" gehabt. Nach palästinensischen Angaben kamen sie aus dem Beduinendorf Um an-Sasser und waren auf der Suche nach Baumaterial.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de