Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Gerhard Schröder lässt sich zu Hause, Rudi Assauer misstraut seinen Sehnsüchten, und Hertha wird gerettet.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der letzten Woche?

Friedrich Küppersbusch: Lena Meyer-Landrut.

Friedrich Küppersbusch ist Fernsehproduzent und wird von der taz jede Woche zum Zustand der Welt befragt.

Was wird besser in dieser?

Lena Meyer-Landrut.

Guido Westerwelle hat seinen Freund Stefan Mronz mit auf Reisen genommen. Anrüchig?

Es wäre ein Skandal, wenn der Außenminister seinen Liebsten nicht mitnehmen könnte oder würde. Seine Haltung, sich keiner Klemmokratie zu beugen, finde ich prima, und das macht sicher vielen Mut. Den Vorwurf der Vettern-, hier richtiger: Brüderwirtschaft muss Westerwelle ausräumen. Und die heillose Selbstüberschätzung, es "schade Deutschland", wenn Ihro Außenniedlichkeit mal kritisiert werde, lappt spielerisch ins Größenwahnsinnige. Bei Westerwelle geht maximales Austeilen mit minimalem Einstecken Hand in Hand, das macht unsympathisch. Eine andere Frage ist, ob nach den hier angelegten Kriterien etwa Gazprom Schröder hätte sich selbst mitnehmen dürfen zu Putin und ob Aufsichtsratefuchs Clement nicht besser grundsätzlich ohne sich verreist wäre.

Gesundheitsminister Rösler will die Preise für neu eingeführte Medikamente senken. Ist die FDP doch sozial?

Die Nummer ist genial. Rösler hat gerade im Januar den Chef des unabhängigen Prüfinstituts "für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen", Peter Sawicki, entsorgt. Hier sei ein unbequemer Pharmakritiker, so der Tenor vieler Kommentare, beflissen aus dem Weg geräumt worden. Nun wirft Rösler das komplette Institut hinterher. Es sollte bei neuen Medikamenten unabhängig Preise bewerten. Stattdessen sollen nun Pharmalobby und Kassenfunktionäre feilschen. Die kennen sich da toll aus, haben eben erst für 416,5 Millionen Euro nicht benötigtes Schweinegrippenserum bei GlaxoSmithKline gekauft und wissen jetzt nicht, wohin damit. So was heißt auf Röslersch dann Kostensenkung.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagt jetzt, er habe nie den Eindruck gehabt, Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert hätten böswillig gehandelt. Als er die beiden entlassen hat, klang das doch anders. Oder?

Guttenberg outet sich immer mehr als der habituelle 7er-BMW der Bundesregierung: dicht auffahren, Lichthupe, Blinker links - und wenns dann geknallt hat, Unfallflucht. So hinterließ er nach wuchtigem Aufschlag eine morsche Magna-Bastelbude bei Opel. Und so gefiel er sich in markigem Durchgreifen am Anfang der Aufklärung des Kundus-Verbrechens. Das geht schief, weil er Leute opfert, wo es Strukturen zu bessern gilt. Und die Geopferten sind nicht auf Befehl doof.

Hat Guttenberg gelogen?

Allein für diese Frage, wesentlich diplomatischer formuliert, hat Guttenberg nun drittens General Henning Hars gefeuert. Herr Baron setzen auf das Konzept des Schleimers in Uniform. Ich tue es ungern und lobe doch die Offiziere für ihre eigene Meinung.

In der Piratenpartei glauben viele, über Geschlecht zu diskutieren sei out. Haben sie recht?

Ich lerne aus der Debatte die hübsche Prägung "Wir sind postgender" und lege sie mir für meine Schaffensperiode ab meinem 80. Geburtstag zurück. Das klingt doch schöner als: "Ich bin jenseits von Gut und Böse."

Der DFB sucht erfolglos einen angemessenen Umgang mit schwulen Schiedsrichtern. Schalke-Exmanager Rudi Assauer rät Schwulen vom Fußball ab. Was läuft da eigentlich?

In der Bestürzung über den Tod Robert Enkes blieb am Rande kaum beachtet, dass DFB-Präsident Zwanziger damals einen neuen Umgang mit Gemobbten, konkret auch Homosexuellen im Fußball forderte. Man rührte den "Fall Deisler" (bei Bayern München als "die Deislerin" verhetzt) mit ein. Und wunderte sich nicht weiter, dass man bekennend schwul eher Vizekanzler als Linienrichter Kreisklasse sein kann. Mal unter uns: Dem andern richtig einen reintun, und dann knutschen sich alle durcheinander ab - näher hat sich der schwule Anteil von Rudi Assauer nie an seine geheimen Sehnsüchte rangetraut. Ist ja sein Leben, dass da verarmt.

Erklären Sie glaubhaft, dass Hertha nicht absteigt. Und warum.

Ja. Ralf Sotscheck. Ende der Begründung.

Am Montag will die SPD Hartz-IV-Korrekturen vorlegen. Was kommt da auf uns zu?

Ein Fehler.

Thilo Sarrazin hat mal wieder etwas gesagt. Können Sie sich erinnern, was es diesmal war?

Kindergeld von Hausaufgaben abhängig machen. Hey, Kinder müssen nicht ins katholische Internat, um übergriffig behandelt zu werden! Nebenpapst Sarrazin schändet auf Zuruf.

Und was macht Borussia Dortmund?

Der Polizeibericht gießt ein ruhiges und auch von Bochumer Seite liebevoll gestaltetes 4:1 für den BVB in die schönen Worte: "Eine durch Fanbewegungen erahnbare Drittortauseinandersetzung kann durch das Sperren von Straßen und Straßenteilen verhindert werden." Das lesen wir gern, im Gegensatz zum Tabellenanfang, derzeit. FRAGEN: DAS

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