Kommentar Kulturgipfel: Probleme verlagert

Die messbaren Erfolge für die Kulturinstitutionen sind zu klein, um Triumphgesänge anzustimmen. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich sogar die guten Nachrichten als konzeptlose Absichtserklärungen.

Die Freude nach dem Kulturgipfel vom Mittwoch ist verhalten, und das aus gutem Grund: Zwar haben alle ihren Willen zum Gespräch bekundet, das schon lange fällig war. Andererseits sind die messbaren Erfolge für die Kulturinstitutionen zu klein, um Triumphgesänge anzustimmen.

Denn sowohl dem Schauspielhaus als auch der Museumsstiftung wurden die Kürzungen bloß gestundet. Das verschafft zwar kurzfristig Luft zum Atmen, ändert aber nichts daran, dass deren Strukturen mittelfristig gefährdet sind.

Und dass das Altonaer Museum nun doch nicht sofort geschlossen wird ist eine gute Nachricht - auf den ersten Blick. Schaut man genauer hin, entpuppt sich auch dies als Absichtserklärung ohne Konzept. Da nämlich die zugehörige Stiftung keinen Cent weniger sparen muss und 3,5 Millionen, wie die Betroffenen vorrechnen, für alle Häuser nicht reichen, wird es bald ein Déjà-vu geben: Dann müssen Museen aus Geldnot geschlossen werden - vielleicht gar das Altonaer Museum.

Nur, dass diesmal die Museumsstiftung diese Entscheidung treffen wird und nicht der Kultursenator. Man hat also bloß den Schuldigen ausgetauscht. Für die Politik ist dies eine angenehme Lösung. Für die Beteiligten ist es fatal: Denn Museumsleute, die Museen schließen, werden in jedem Fall als Nestbeschmutzer gelten.

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Seit 2000 Redakteurin der taz am Standort Hamburg. Schwerpunkte: Kultur und -politik, Drittes Reich, Judentum, Religion allgemein.

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