Google, Apple, Microsoft: Das Netz hilft Japan

Die Menschen im Norden Japans kämpfen mit den Auswirkungen des Bebens, des Tsunamis, der Atomkatastrophe. Internet-Firmen versuchen zu helfen, wo es geht.

Hilfreiche Seite für die Vermisstensuche: Google Person Finder. Bild: screenshot google person finder

Obwohl Strom- und Telefonnetze teilweise nicht mehr funktionierten, brachen in vielen Regionen Japans die Online-Verbindungen nicht komplett zusammen. Nach einer Statistik des Netzüberwachsers Renesys blieb der Datenverkehr von und nach Japan weitgehend stabil. Viele Menschen meldeten sich per E-Mail, Twitter oder Facebook bei ihren Angehörigen, um ihnen zu sagen, dass es ihnen gut gehe.

Auch die großen Netzunternehmen wollen den von dreifachem Leid betroffenen Bewohnern Japans helfen. Der Internet-Konzern Google schuf mit dem sogenannten :Person Finder eine Möglichkeit, nach Vermissten zu suchen oder Informationen über Personen einzutragen, die ihren Angehörigen eine Nachricht hinterlassen wollen. Innerhalb weniger Tage kamen über 160.000 Einträge zustande.

Um einen Menschen zu suchen, gibt man zunächst einen Namen ein und kann dann abfragen, ob Informationen hinterlegt wurden. Umgekehrt lassen sich Daten über Personen mit Hilfe eines einfachen Web-Formulars eintragen - inklusive Adresse, Beschreibung, einem Bild und einer Nachricht. Auch sind Informationen über den Verbleib hinterlegen, darunter auch, dass man glaube, eine Person sei verstorben.

Das Angebot ist offen für alle. Eine Nachkontrolle der Eingaben durch Google erfolgt explizit nicht - wohl auch, um die Nutzung zu vereinfachen. Jeder kann die Informationen ansehen und verwenden. "Google prüft die Genauigkeit der Daten nicht nach", schreibt der Konzern. Aus Großbritannien wird bereits Missbrauch des an sich lobenswerten Dienstes gemeldet. Wie die Zeitung Daily Mail schreibt, erlaubten sich einige User einen Scherz und trugen lebende Menschen in die Datenbank als "verstorben" ein. Couchsurfing hat eine Website für Japaner eingerichtet, die eine Unterkunft suchen.

In den USA, wo mehr als eine Million Menschen mit japanischem Migrationshintergrund leben, haben unterdessen die Telekommunikationsriesen AT&T und Verizon damit begonnen, Handy-Anrufe nach Japan für eine begrenzte Zeit kostenlos anzubieten. Auch Textnachrichten in das Land sollen zunächst gratis bleiben, bei AT&T gab es außerdem 60 Freiminuten fürs Festnetz. Daneben bieten einzelne Kabelnetzbetreiber freien Zugriff auf japanische Fernsehsender, um Angehörige über die örtliche Situation auf dem Laufenden zu halten.

Der Computerkonzern Apple nutzt wiederum seinen Online-Laden iTunes für eine Spendenaktion. In den USA ist wurde eine eigene Seite eingerichtet, um online Gaben ans Rote Kreuz in den USA zu senden und diese mit der bei Apple hinterlegten Kreditkarte zu begleichen. Dieses simple "Spenden per Klick" soll schneller funktionieren als Barspenden oder Überweisungen. Zwischen fünf und 200 Dollar lassen sich per iTunes versenden, das Rote Kreuz will sie direkt für die Japan-Hilfe verwenden.

Manchmal gehen Charity-Aktionen nach hinten los. Am Wochenende versuchte Microsofts Suchmaschine Bing im Online-Netzwerk Twitter, Werbung für sich selbst mit einer Spendenkampagne zu verknüpfen. Wer eine Nachricht des hinter Google weit abgeschlagenen Angebots per Retweet verbreitete, sollte Microsoft dazu anregen, seinen Spendenbetrag zu erhöhen - "auf bis zu 100.000 Dollar", "1 Dollar pro Retweet".

Auf Twitter reagierten die Nutzer mit Wut: "Hey @bing", schrieb der US-Comedian Michael Ian Black, "hör auf, eine Tragödie als eine verf... Marketing-Gelegenheit auszunutzen." Das Bing-Team twitterte kleinlaut, man habe mit der Idee doch nur vorgehabt, es den Nutzern besonders leicht zu machen, Japan zu helfen. "Wir haben die 100.000 Dollar nun gespendet."

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