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Blog-Award für Lina Ben MhenniEin tunesisches Mädchen

Eine der Schlüsselfiguren der tunesischen Revolution wurde jetzt mit dem Blog-Award der Deutschen Welle ausgezeichnet. Wer ist diese Lina Ben Mhenni?

Lina Ben Mhenni. Bild: Reiner Wandler

Der erste Eindruck von Lina Ben Mhenni täuscht. Die junge Frau wirkt schüchtern und verletzlich. Und doch ist die 27-Jährige eine der Schlüsselfiguren der tunesischen Revolution. Unter dem Namen "A tunisian Girl" verbreitete die Dozentin für Linguistik auf ihrem Blog (atunisiangirl.blogspot.com) Eindrücke aus Städten, die während der Jugendrevolte abgeriegelt wurden.

Ihre Texte auf Arabisch, Englisch und Französisch sowie Fotos und Videos von Schwerverletzten und Toten verbreiteten sich in Windeseile über Facebook und Twitter (twitter.com/#!/benmhennilina). Ausländischen Journalisten stand sie trotz Polizeiüberwachung am Handy Rede und Antwort. Für ihre mutige Berichterstattung wurde Ben Mhenni jetzt mit dem Blog-Award der Deutschen Welle "The BOBs" ausgezeichnet.

Die ersten Schritte im Internet unternahm Ben Mhenni 2007 während eines US-Studienaufenthaltes. Zuerst waren es persönliche Eindrücke, Poetisches und Gefühle. Zurück in Tunesien, kamen kurze Texte über soziale Alltagsprobleme hinzu. Bald schon tauchte "404 - page not found" auf dem Bildschirm auf.

Die politische Polizei hatte ihren Blog sperren lassen. Ben Mhenni begann gegen die Zensur zu schreiben. Im Mai 2010 bereitete sie mit einem Bloggerkollegen eine Demonstration für Internetfreiheit vor. Der Marsch wurde verboten, in Ben Mhennis Zimmer eingebrochen, Computer und Kamera geklaut.

Sie ließ sich nicht einschüchtern. "A tunisian Girl" wurde immer politischer. Und mit globalvoicesonline.org fand Ben Mhenni auch eine internationale Plattform. Nach der Revolution ist sie immer noch dort zu finden, wo Menschen für ihre Überzeugung eintreten. Ob bei den Sit-ins vor dem Regierungspalast in Tunis oder bei sozialen Bewegungen in der Provinz.

Beim Medienkongress der taz am vergangenen Wochenende berichtete sie von ihren Erfahrungen während der tunesischen Revolution. Ihre poetische Ader hat sie nie aufgegeben. Einen Tag nach dem Sturz Ben Alis schrieb sie: "Das Erste, was ich sah, als ich heute aufwachte." Daneben ein Foto, das einen Pfahl mit einer tunesischen Fahne zeigt - mitten im Meer.

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