Attila Ambrus aus der Haft entlassen: Ungarns Robin Hood wieder frei

Bankräuber, Whiskeytrinker, Charmeur: Der Ungar Attila Ambrus galt lange als echter Gentleman-Bösewicht. Nun wird er nach langer Haft entlassen – wegen guter Führung.

Mit Pfeil und Bogen war Attila Ambrus nicht unterwegs – in Sachen Charme stand er Robin Hood aber in nichts nach. Bild: photocase/white tiger

Seine Geschichte wollte Johnny Depp schon verfilmen: Der berühmt-berüchtigte Whiskeyräuber Attila Ambrus ist seit Dienstag aus dem Gefängnis entlassen. In den 90ern war er der größte Serienräuber Ungarns, 30 Geldinstitute überfiel er. Er tötete niemanden, verhöhnte Polizei und Politiker. Sein Markenzeichen: Vor dem Überfall ging er in eine Kneipe und trank einen Whiskey.

Ein paarmal reichte er der Bankmitarbeiterin am Schalter vor der Tat einen Blumenstrauß. Er wurde zum Nationalhelden, zum ungarischen Robin Hood, Cocktails tragen seinen Namen, er hat eine Myspace-Fanseite, und der amerikanische Journalist Julian Rubinstein schrieb einen Roman über ihn. Der auffallend hübsche und gut gebildete Attila Ambrus wurde 1967 als Angehöriger der ungarischen Minderheit in Rumänien geboren, seine Mutter hat ihn als Kind verlassen, der Vater war Alkoholiker.

In den 80er Jahren floh er vor dem Ceausescu-Regime nach Ungarn und arbeitete dort als durchschnittlich begabter Eishockeyprofi, Totengräber, Pelzschmuggler. Den ersten Raub beging er 1993, damals musste er sich vor Aufregung noch während der Flucht übergeben. In den nächsten sechs Jahren erbeutete er 775.000 Euro. Er war wagemutig, sehr sorgfältig, veränderte ständig sein Aussehen und wusste genau, wie schnell die Polizei am Tatort sein kann. Bis dahin war er immer schon mit einem Taxi verschwunden.

Das Geld gab er für Frauen, Casinos, Autos und Reisen aus. Der Mythos wuchs, als er 1999 inhaftiert wurde und aus dem Gefängnis entkam. Er versteckte sich in einem Bürozimmer der Haftanstalt, dort machte er sich aus Telefonschnüren und Vorhängen eine Leine, durch die er auf die Straße kletterte und verschwand. Die Jagd auf den Whiskeyräuber wurde dadurch zur Prestigefrage für die Polizei. Schließlich verriet ihn eine Telefonkarte, die er an einem Tatort liegen ließ.

Der Gentleman-Gangster wurde für 17 Jahre inhaftiert, doch wegen guter Führung nach 12 Jahren entlassen. Im Gefängnis hat der jetzt 44-Jährige eine Autobiografie veröffentlicht, Englisch gelernt, Abitur und einen Hochschulabschluss gemacht. Die neue Freiheit bietet ihm nun allerlei Möglichkeiten. Auch legale.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de