Twitter gegen Facebook: Krieg der Filter

Nun bietet der Kurznachrichtendienst Twitter auch eine eigene Foto-App an. Vorher zog sich die Facebook-Tochter Instagram zurück.

Streitobjekt zwischen Facebook und Twitter: der Fotofilter (allerdings geht‘s um die digitale Variante). Bild: Diddi/photocase.com

Wenn man sich das Video anschaut, mit dem Twitter seinen neuen Fotodienst bewirbt, könnte man meinen, dass der Netzwerkriese seinen Nutzern nur etwas Gutes tun will: In den kostenlosen Smartphone-Apps für iOS und Android können künftig geknipste Bilder mit einer ganzen Reihe von Filtern von Grellbunt bis Monochrom bearbeitet werden, bevor sie bei Twitter landen und den Freundeskreis erfreuen (oder auch nicht).

Die Idee an sich ist allerdings uralt: Schon seit Oktober 2010 bot Instagram, seit dem vergangenen Sommer eine Tochter von Facebook, solche Funktionen an – in einer eigenen Anwendung mit Anbindung zu Twitter. Die App ist mit ihren Millionen Nutzern so populär, dass ihr inzwischen sogar Satire-Songs gewidmet werden. Was da im scheinbar so betulichen Geschäftsfeld der vernetzten Freizeitfotografie abläuft, ist nicht weniger als ein Kleinkrieg zwischen Twitter und Facebook.

Bei Twitter versucht man, möglichst viele bislang extern ausgelagerte Funktionen auf die eigene Seite zu holen, damit der Nutzerschaft auch gewinnbringende Werbung präsentiert werden kann. Darunter leiden vor allem Entwickler, denen nun beispielsweise vorgeschrieben wird, wie viele User sie haben dürfen. Externe Dienste, die früher von Twitter fröhlich eingebunden wurden, weil es an hauseigenen Alternativen mangelte, baut man nun am liebsten selbst nach.

Die Fotofilter sind ein gutes Beispiel, auch wenn hier der „Erstschlag“ offenkundig von der Facebook-Tochter Instagram kam. Deren Chef Kevin Systrom will als Reaktion auf Twitters Bemühungen seinerseits versuchen, Nutzer im eigenen Netzwerk zu halten. So wurde vor einem Monat eine neue Profilfunktion eingeführt, mit der Nutzer auf der Instagram-Website ihre Fotos ausstellen können.

Firmeneigene Samrtphone-App

Bislang kamen die meisten Abrufe über die firmeneigene Smartphone-App - und vor allem über Twitter. Zuvor hatte Twitter im Sommer seinerseits eine „Friendfinder“-Funktion für Instagram abgedreht. Seit letzter Woche nun werden Instagram-Bilder nicht mehr automatisch bei dem Kurznachrichtendienst eingebaut. „Foto-Darstellungsprobleme“ nannte das Twitter am Wochenende, um dann einzuräumen, dass Instagram selbst die Integration abgeschaltet habe.

„Es ist zwar noch möglich, Links zu Instagram zu tweeten, aber man kann die Fotos nicht mehr wie bislang auf Twitter sehen“, so das Unternehmen. Doch Twitter muss gewusst haben, dass der populäre Fotodienst seinen Abgang plant. Jedenfalls kam nun in der Nacht zum Dienstag gleich ein Update für die hauseigene Smartphone-Anwendung, die plötzlich zahlreiche Filter mitbringt – bislang Instagrams beliebteste Funktion.

Externer Dienstleister

Die Technik kommt nicht von Twitter selbst, sondern wurde von einem externen Dienstleister entwickelt. Die neue Fotofunktion bietet auf den ersten Blick alles, was das Herz begehrt: Die erwähnten Filter, Skalierungs- und Beschneidungsfunktionen, automatische Bildverbesserung und einiges mehr.

Die Idee dabei scheint zu sein, dass die Nutzer möglichst ihre ganze Zeit der Twitter-Nutzung auf dem Mobilgerät in der hauseigenen App des Konzerns verbringen. Über die hat dieser die volle Kontrolle – und kann auf Wunsch jederzeit Werbung einblenden.

Allerdings gilt die Twitter-App unter Vielnutzern des Kurznachrichtendienstes als nicht sonderlich gelungen – so ist etwa auf dem iPhone die Tweetbot-App enorm beliebt. Unter Mac OS X, wo Twitter seine eigene Anwendung seit vielen Monaten nicht mehr pflegt, zahlen Feed-Fanatiker mittlerweile //itunes.apple.com/de/app/tweetbot-for-twitter/id557168941?mt=12:18 Euro, um die Alternativ-App zu nutzen.

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