Die Wahrheit: Baggerparabel

Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit. Heute darf sich die Leserschaft an einem Poem über einen Bagger erfreuen.

„Baggers Heckteil hier / vor mir. Er fährt zwanzig.“ Bild: Stefan Wermuth/reuters

Hier durchs Hügelland

schnürt mein Fahrrad wacker.

Vorn da dröhnt konstant

drehzahlstur ein Bagger.

Los, den fang ich mir!

Schon türmt steil als Wand sich

Baggers Heckteil hier

vor mir. Er fährt zwanzig.

Seinen festen Trott

brummt er mit Konstanz. Ich

fahr sonst meistens flott.

Nunmehr fahr ich zwanzig.

Fahrtwind, Gegenwind

schweigen. Hier verschanz ich

mich und rolle blind

mühelos mit zwanzig.

Doch dies Einerlei

nervt schon bald. Nun reiß ich

aus, ich zieh vorbei

volles Rohr mit dreißig.

Strample, was ich kann.

Komm schon beinah bei der

Baggerschaufel an –

plötzlich geht’s nicht weiter.

Gegenwind bläht auf,

mault nach Lust und Neigung.

Und dem Straßenlauf

passt just jetzt ’ne Steigung.

Steten Baggerspeed

schaff ich nicht mehr ganz. Ich

fall zurück, er zieht

vorneweg mit zwanzig.

Wind quält mich, ihn nicht.

Eine Spanne spannt sich

zwischen uns, er bricht

aus, rennt weg mit zwanzig.

Fern schon seh ich ihn,

Sieg und Lorbeerkranz sich

einzuheimsen, fliehn

mit rasanten zwanzig.

Spöttisch blinkt er noch –

klar, das dient zur Mahnung.

Klar, ich lern draus. Doch

was nur? Keine Ahnung.

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