POLEN

Schächtungsverbot stößt auf Kritik

WARSCHAU | Das Schächtungsverbot in Polen hat einen Sturm der Entrüstung unter Juden ausgelöst. Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses, zeigte sich in einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme „ungeheuer enttäuscht“. Die Antidiffamierungsliga (ADL) kritisierte die Entscheidung des polnischen Parlaments, keine rituellen Schlachtungen zuzulassen, als einen klaren Verstoß gegen die Religionsfreiheit und einen Schlag gegen die Zukunft der Juden in Polen. Ein nationalkonservativer Abgeordneter nannte die Reaktionen „hysterisch“.

Die Regierung hatte erst die Schächtung von Tieren in Schlachthöfen erlauben wollen, erlitt aber eine Abstimmungsniederlage. Lauder sagte: „Diese Entscheidung ist ein Schlag in das Gesicht von Juden und Muslimen gleichermaßen.“ Wirtschaftsminister Piechocinski befürchtet, dass nun Entschädigungsklagen der Fleischindustrie drohen. Bisher stammten etwa 30 Prozent polnischer Rindfleischexporte aus „rituellen“ Schlachtungen. Abnehmer waren vor allem Israel, die Türkei und arabische Staaten. (dpa)

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