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Saar-Grüne auf Crashkurs

■ Delegiertenkonferenz entscheidet über Zukunft

Saarbrücken (taz) – Hubert Ulrich, Landesvorstandssprecher der Saar-Grünen, sieht deutliche Parallelen zwischen sich und dem bekanntesten Polit-Saarländer seit dem Ausscheiden Erich Honeckers: „Ich bin 1991 nach dem gleichen Prinzip gewählt worden wie Oskar Lafontaine als Vorsitzender der saarländischen SPD.“ Doch während Lafontaine trotz Affären bei seinen Saar-Genossen noch immer hoch im Kurs steht, muß sich Ulrich am morgigen Sonntag einer zunehmend erbosten Basis zur Wiederwahl stellen.

Fast alle Gründungsmitglieder der Saar-Grünen sind inzwischen mehr als stocksauer. „Hubert Ulrich“, so erregt sich etwa der langjährige Saarbrücker Grünen- Stadtrat Kajo Breuer, „gleicht in seiner Integrationsfähigkeit Jutta Ditfurth.“ Die saarländische Europaabgeordnete Hiltrud Breyer fühlt sich bei Ulrichs Machtpolitik an „Cliquenwirtschaft“ und Hamburger Zustände“ erinnert.

Doch die Mehrheitsverhältnisse sprechen aller Stimmung zum Trotz für eine Wiederwahl Ulrichs: So kann jeder Ortsverband, unabhängig vom Delegiertenschlüssel, zwei zusätzliche Vertreter zur Versammlung schicken: ein bundesweites Satzungskuriosum, das Ulrich begünstigt, gibt es doch in seinem treuen Heimatkreis Saarlouis die meisten Ortsverbände.

Der Landesvorstand wird sich morgen vor allem unangenehme Fragen nach den Finanzen stellen müßen: Genervt vom Gebaren einiger Vorstandskollegen hatte Landesschatzmeister Jürgen Nieser bereits im März 1992 das Handtuch geworfen. Daraufhin übernahmen gleich zwei Leute die Parteikasse: Schatzmeister Josef Dörr, ehemals lautstarker Promoter der saarländischen CSU-Freunde, und ein (mit Krauses „Putzfrauentrick“ vom Arbeitsamt geförderter) Finanzreferent. Doch deren Arbeit konnte der Bundesfinanzrat Ende Mai dieses Jahres mit den „Grundsätzen einer ordnungsgemäßen Buchführung nicht mehr in Einklang bringen“.

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