: Gleichstellungswildwuchs
■ Frauenbeauftragte wollen mehr
Hamburgs Frauenbeauftragte haben eine Novellierung des „Gleichstellungsgesetzes von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst“ gefordert und heftige Kritik an Frauensenatorin Christina Weiss geübt. Gabi Stolte, Frauenbeauftragte im Bezirksamt Wandsbek: „Aus ihrem Erfahrungsbericht wird deutlich, daß die Situation der Frauenbeauftragten einem Wildwuchs gleicht.“
Den Zorn hatte Christina Weiss wegen einer Formulierung in ihrem vorige Woche vorgelegten Bericht auf sich gezogen. Darin hatte die Senatorin die Halbherzigkeit der Männer-Regierung mit der Formulierung verniedlicht: „Auf eine detaillierte Verankerung der Aufgaben und Kompetenzen ist im Gesetz verzichtet worden, um den Dienststellen auf der Grundlage der jeweils gewachsenen Struktur der Frauenbeauftragten Gestaltungsfreiraum zu belassen.“
Doch dieser „Gestaltungsfreiraum“, so die Frauen-Kritik, habe dazu geführt, daß es immer noch Behörde ohne Frauenbeauftragte gebe. Dazu gehöre die Sozial-, Gesundheits- und Schulbehörde sowie die Senatskanzlei. Denn eine Frauenbeauftragte könne ernannt werden, müsse aber nicht.
Zudem würden den Frauenbeauftragten in den verschiedenen Dienststellen unterschiedliche Aufgaben und Kompetenzen zugestanden. Einige bekämen ein Minimum an Freistellung, andere seien vor ihrer Ernennung durch den „Dienstherren“ sogar von den Kolleginnen gewählt worden.
Die Frauenbeauftragten fordern daher eine Novellierung des Gesetzes, damit in allen Behörden gleiche Bedingungen geschaffen werden können. Gabi Stolte: „Frauenbeauftragte brauchen endlich gesetzliche Regelungen über Aufgaben, Kompetenzen, Freistellung und Wahl.“
Kai von Appen
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen