: Eine Verschwörung von CIA und Exilkubanern
■ Ein internationales Seminar in Rio klärt die Welt über den Kennedy-Mord auf
Rio de Janeiro (taz) – US-Präsident John F. Kennedy hatte keine Ahnung. Während JFK aus Angst vor einem Atomkrieg schon erwog, heimliche Gespräche mit Kubas Staatschef Fidel Castro aufzunehmen, arbeiteten Teile des US- Geheimdienstes CIA bereits an der Ermordung des Präsidenten. Eine absurde Verschwörungstheorie? Vielleicht. Immerhin aber wurde die Version des ehemaligen kubanischen Geheimdienstchefs Fabian Escalante Font auf einem internationalen Seminar in Rio auch von US-Historikern bestätigt.
„Brasilien verkündet der Welt, wer Kennedy umgebracht hat. Die Wahrheit wird enthüllt“, lautet das Motto der dreitägigen Veranstaltung an der Copacabana, das die brasilianische Kuba-Kennerin Claudia Furiati organisierte – nicht zuletzt als Werbung für ihr neues Buch just zu diesem Thema. „Kennedy war das Opfer einer Verschwörung. An seiner Ermordung waren mindestens 30 Leute beteiligt. Er galt als Hindernis für eine Invasion Kubas“, meint der 55jährige kubanische Ex-General Escalante. Der Mord an Kennedy am 22. November 1963 in Dallas, Texas, sollte Kuba angelastet werden, um einen Angriff gegen die kommunistische Karibikinsel zu rechtfertigen.
Der US-amerikanische Kennedy-Spezialist Gaeton Fonzi stimmt mit dem kubanischen General überein, daß es sich bei der Ermordung Kennedys um eine langfristig geplante Aktion von CIA und rechten Exilkubanern gehandelt habe. Schon seit der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht 1961, so Fonzi, habe sich diese Verbindung in Miami ergeben. Kennedy habe keine Ahnung von dem heimlichen Apparat innerhalb der CIA gehabt, genannt „Kubanischer Mechanismus“, der auf eigene Faust agierte. Nach der kubanischen Version des Kennedy- Mordes war Lee Oswald ein Mitglied der heimlichen Anti-Kuba- Abteilung innerhalb der CIA. Mit anderen Worten: Die Ermordung Kennedys war ein Staatsstreich. Wer an dem Attentat beteiligt war und warum die Invasion in Kuba dann nicht zustande kam, verriet er nicht. Statt dessen verwies er auf seinen Vortrag am heutigen Donnerstag.
Zum Abschluß des Seminars will der General noch einmal nachlegen. Der sowohl dröge wie konspirative Arbeitstitel: „Der Plan, Kuba und der Sowjetunion die Ermordung Kennedys anzulasten“. Astrid Prange
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen