: Verwandlungskünste
■ Der smarte Jazz/Pop/Noise-Sänger Michael Schiefel im Jungen Theater
Manchmal macht Technik schizophren. Die Stimme von Michael Schiefel wird durch Technik sogar polyphren, zumindest polyphon. Aus Eins mach Drei, Vier, Viele! Warum kann man eigentlich keine Geldbörsen einer multiplizierenden Behandlung durch Schiefels Echo- und Loop Delay-Gerätschaften unterziehen?
Schiefel singt so smart, smooth, soft – heißt ja alles dasselbe, kann man aber bei dem Mann nicht oft genug sagen – wie George Michael, abgerundet mit einem Schuß Al Jarreau. Entsprechend gilt seine Vorliebe simplen, herzzerreißenden Popjuwelen. Von dieser harmlosen Ausgangsbasis aus unternimmt er Vorstöße in weit abgelegenes Klangterrain. Da schrillt ein Telefon. Es kommt von Schiefels Promo-Kassette, welche glaubhaft versichert, daß nur der Meister selbst tönt. Mit viel Stimm- und ein wenig Digitaltechnik mutiert er in eine verzerrte Radiostimme, die sich anschließend verwandelt in eine Jimi Hendrix-Gitarre etc. Der Kehlkopf feiert Karneval, delektiert sich an Verwandlung.
Kein Wunder. Schließlich ist Schiefels musikalische Heimat der Jazz, in dem die Stimme als ein Instrument unter vielen firmiert und deshalb auch gern imitiert. Fünf Jahre lang studierte er Jazzgesang an der Hochschule der Künste in Berlin. Nach mehreren Gruppenprojekten tritt er nun solo auf. Und wie alle Singles weiß er sich zu helfen, singt in das eigene Echo und Playback hinein. Das Ergebnis: Kanons oder ostinate Strukturen, also ein Baß, der ein einziges Motiv in Dauerschleife durchspult. Die Wirkung: meditativ. In Verbindung mit Telefonterror eine spannende Mischung. bk
15.und 16.August,20 Uhr 30
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