: Solidarischer Sitzball
■ ÖTV will neue Mitglieder werben und mit anderen Gewerkschaften fusionieren
Im Frühjahr wird die Gewerkschaft ÖTV in Hamburg eine groß angelegte Mitgliederkampagne starten. Dann sollen die noch 62.000 Mitglieder, angespornt durch knackige Werbeprämien wie Sitzbälle und Telefonkarten, angeleitet von gut geschulten FunktionärInnen auf Mitgliederfang gehen. „Nichts kommt von selbst“, betont ÖTV-Bezirks-Vize Wolfgang Rose: „Gerade in Zeiten der Beschäftigungskrise brauchen die Beschäftigten eine starke und solidarische Gewerkschaft.“
Gut zehn Prozent ihrer Mitglieder hat die ÖTV allein in den vergangenen vier Jahren verloren. Immer mehr Rentner, Arbeitslose und Teilzeitbeschäftigte weist die Mitgliederstatistik aus. Eine dramatische Entwicklung sei das aber noch nicht, meint ÖTV-Chef Rolf Fritsch: „Die Mitgliederentwicklung liegt im westdeutschen Trend, im Osten sieht es viel schlimmer aus.“
Hauptanlaß für die Kampagne sind die derzeitigen Verhandlungen mit DAG und HBV auf Bundesebene, bei denen es um eine enge Kooperation oder gar eine Fusion geht. Im Mai könnte eine erste Entscheidung fallen. Noch aber ist offen, wer am Ende mit wem zusammengeht oder doch bloß zusammenarbeitet. Fritsch fordert die weitergehende Lösung: „Wir müssen fusionieren, wenn die Gewerkschaften nicht untergehen wollen.“Er träumt bereits von einer großen Dienstleistungsgewerkschaft, die neben ÖTV, DAG und HBV auch die Postgewerkschaft, die Eisenbahner, die Medien und sogar die altlinke Lehrergewerkschaft GEW umfassen soll.
Fritsch möchte für einen möglichst weitgehenden Zusammenschluß in Hamburg Zeichen setzen. Um diesem Ziel näher zu kommen, geht die ÖTV in Hamburg denn auch in die Offensive. Den Funktionären soll „Kundenorientierung“eingebleut werden. In Kooperation mit anderen Gewerkschaften wird ein „Service-Center“für Mitglieder entwickelt, auch die Qualität der Rechtsberatung soll vebessert werden.
Damit die Basis dies auch mitbekommt und potentielle Mitglieder zum Eintritt motiviert werden, sollen Hamburger Promis für die ÖTV werben. Im Gespräch sind unter anderen Jürgen Flimm, Thomas Mirow, Willfried Maier und Krista Sager. Florian Marten
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