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■ Die anderenDas „Neue Deutschland“ beschäftigt sich mit der Lage der Grünen / Die „Hannoversche Allgemeine“ glaubt, dass nach dem Kölner OB-Kandidaten Heugel auch Bodo Hombach gehen muss / Die „Bild“-Zeitung wirft der Politik Herzlosigkeit gegen die Rentner vor

Das Neue Deutschland beschäftigt sich mit der Lage der Grünen: Um hübsche Worthülsen war Gunda Röstel nie verlegen. Aber jetzt hat sie sich selbst übertroffen. Eine „quicklebendige Zukunftswerkstatt“ will die Flöhaer Lehrerin aus den Grünen machen. Das klingt nach Basteln und munteren Kinderstimmen. Quick dahingesagt, mehr nicht. Erstaunlich genug, dass sie damit im Trend der Partei liegt. Die beiden Strategierunden am Wochenende haben es nur deutlicher gemacht. Nachdem die Grünen sich immer des Vorwurfs erwehrt haben, eine andere Partei geworden zu sein, bekennen sie sich nun dazu. Die Grundthese lautet: An allem ist unser oller Streit schuld. Wir bessern uns. Ihr muss widersprochen werden. Nicht der Streit schreckt den Wähler ab, sondern die Abkehr von vermeintlich zuverlässigen Werten.

Die Hannoversche Allgemeine glaubt, dass nach dem Kölner OB-Kandidaten Heugel auch Bodo Hombach gehen muss: Reiner Tisch: Was sich derzeit die Genossen in Nordrhein-Westfalen leisten, ärgert die Bürger mehr als jedes Sparpaket. Da stecken sich Politiker unter Ausnutzung ihrer besonderen Stellung die Taschen voll – und wenn dann die Affären ruchbar werden, zögern sie noch wochenlang ihren Rücktritt hinaus. Klaus Heugel teilte am Sonnabend mit, er werde das Amt des Kölner Oberstadtdirektors bis auf weiteres niederlegen, zugleich aber an seiner Kandidatur zum Oberbürgermeister festhalten. Erst als am Sonntag der Druck zu groß wurde, gab Heugel diesen Plan auf. Auch Bodo Hombach fährt eine Doppelstrategie: Er hat sich entschieden, bis zur „Klärung aller Vorwürfe“ seine NRW-Parteiämter niederzulegen. An seinem Posten als Balkan-Beauftragter hält er fest. Im Fall Heugel hat offenbar ein Machtwort von Franz Müntefering geholfen, reinen Tisch zu machen. Bei Hombach ist der Kanzler gefragt.

Die Bild-Zeitung wirft der Politik Herzlosigkeit gegen die Rentner vor: Einer, der sich seine Rente erarbeitet hat, dem nichts geschenkt wird. Ein älterer Mensch im Ruhestand. Mensch, Mensch, Mensch möchte man unseren Politikern zurufen. Die Rentner sind nicht euer Spielball. Sie wissen, dass auch sie sparen müssen. Zwei Jahre nur Inflationsausgleich. Nicht angenehm. Muss sein. Wer aber jetzt ausgerechnet auf die gebeugten Rücken draufsatteln will, ist herzlos. Ein neues, gerechtes Rentenkonzept lässt sich nicht in der Sprache der Rechenmaschinen finden. Sonst könnten wir auch gleich Computer statt Politiker wählen.

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