: CDU-Schreibung
■ Union im Norden streitet sich wieder: Diesmal um die Rechtschreibreform
Der neue Streit um die Rechtschreibung hat in der schleswig-holsteinischen CDU eine Kontroverse ausgelöst. Ein Abwenden von den Reformregeln und eine Rückkehr zur alten Schreibweise machten keinen Sinn, sagte der Landtagsabgeordnete Thomas Stritzl am Wochenende. Er ging damit auf deutlichen Gegenkurs zum CDU-Bundestagsabgeordneten Dietrich Austermann, der sich gegen die neue Rechtschreibung ausgesprochen hatte. Stritzl lehnte die „Rolle rückwärts“ seines Parteikollegen ab: „Wir sollten unseren Kindern eine nochmalige Kursänderung nicht zumuten.“
„Mutig und richtig“, nannte Ex-Landeschef Peter Kurt Würzbach in den Lübecker Nachrichten den Schritt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wieder die alten Rechtschreibregeln anzuwenden. „Die gekünstelte und rechthaberische Reform hat ein Chaos verursacht. Das war nix“, sagte Würzbach und forderte, die Reform zurückzunehmen. In scharfer Form ging Würzbach mit dem gescheiterten Spitzenkandidaten Volker Rühe ins Gericht, der mit Fraktionschef Martin Kayenburg der CDU im Norden „wie im Mittelalter“ die Abkehr von der bisherigen, „scheinbar lästigen“ Position verordnet hatte. Die Landespartei sei dem vermeintliche Zeitgeist zuliebe „opportunistisch eingeknickt“.
SPD-Landesvorsitzender Franz Thönnes bezeichnete die CDU-internen Auseinandersetzungen als überflüssig und absurd. „Die Politiker sollten die Sommerferien genießen und dies auch den Eltern, Schülerinnen und Schülern unseres Landes gönnen“, sagte Thönnes. Es sei vernünftig gewesen, dass die Nord-CDU vor der Landtagswahl ihre Position revidiert und den Weg für die neue Rechtschreibung frei gemacht habe. Der neue CDU-Landesvorsitzende Johann Wadephul habe Führung versprochen und müsse jetzt mit einem klaren Wort „den unsäglichen innerparteilichen Streit“ beenden.
Schüler, Lehrer und Eltern hätten gerade das Hin und Her in der Diskussion um die Rechtschreibreform hinter sich gebracht, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete und Parlamentsvizepräsident Stritzl. Eine Debatte um eine erneute Kursänderung könne ihnen jetzt nicht zugemutet werden. Die Rechtschreibreform sei zudem keine Revolution, sondern eine Evolution. lno
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