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Das nationale Sandsackzentrum funktioniert

Deich-Broker in Nürnberg

„Das am häufigst angewandte Deichverteidigungsmittel ist nach wie vor der Sandsack“, meldet die Deich-Homepage des Technischen Hilfswerks (THW: www.thw-deich.de). Ungefähr 40 Millionen Säcke sind derzeit im Katastropheneinsatz – gäbe es Bundeswehr, THW und Feuerwehr nicht, hätte also knapp jeder zweite Deutsche einen Sack schleppen müssen.

Zur Deichverteidigung gibt es zwei Arten von Säcken. Entweder Säcke aus natürlicher Jute oder aus Kunststoff (Polypropylen oder -ethylen). Der typische Sack mit Sand ist 20 Kilo schwer, nass wiegt er 30 Kilo. Er darf nur zu zwei Drittel gefüllt werden, damit er sich optimal an die Umgebung „anschmiegt“, so das THW.

Die Verteilung der Millionen Beutel organisiert die Feuerwehr in Nürnberg. Sie hat ein „nationales Sandsackversorgungssystem“ eingerichtet. Die Säcke für die Jahrhundertflut kommen zu Lande, zu Wasser und aus der Luft; aus Belgien, Italien, Holland, Russland, Großbritannien, sogar mit den USA verhandeln die Nürnberger. Eine Riesenladung mit 1,2 Millionen Säcken kam am Montag mit einer russischen Antonow aus Mailand eingeflogen. Die „Deichverteidigungsmittel“ gehen direkt an die zwei großen Verteilungszentren in Leipzig und Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern). „Das war in den letzten Tagen eine internationale Sandsackkoalition“, schwärmt Iris Möker, THW-Pressereferentin.

Trotz aller internationalen Solidarität: Bei den Einkaufspreisen für die Säcke wird gefeilscht: „Wir sind wie Börsenmakler“, erklärt Stephan Gräser vom „Sandsacklogistikzentrum“ in Nürnberg. Insgesamt 15 bis 20 Sandsack-Broker sind den ganzen Tag am Telefonieren. Ein Sack kostet zurzeit 30 Cent. „Zwischendurch haben wir auch mal auf teurere zurückgreifen müssen“, berichtet Feuerwehrmann Marc Gistrichovsky, zuständig für die Beschaffung der Sandsäcke. Manche wollten aus dem Hochwasser Profit schlagen, erzählt er weiter, „aber auf Preise wie 67 Cent pro Sack lassen wir uns nicht ein. Als Einkäufer im Auftrag des Bundesinnenministerium haben wir mittlerweile eine gute Verhandlungsposition.“

Und was passiert nach dem Hochwasser mit den 40 Millionen Säcken? Kann man sie föhnen und wieder verwenden oder müssen sie als Sondermüll entsorgt werden? „Wir arbeiten gerade an einer fachlichen Stellungnahme“, so Dr. Claus Bannick vom Umweltbundesamt. Er rät wegen der Bakterien vor allem bei den „flussanliegenden Säcken“ zu einer Entsorgung über die Hausmülldeponie. SILVAN NIEDERMEIER