wortwechsel: Debatten über Rassismus auf vielen Ebenen
Bei dem Fall des britischen Professors Arday wird die Eigenverantwortung vermisst. Die Leichtathletin Smilla Kolbe und ihr Statement zu Rassismus kommt gut an
Foto: Memmler/Nordphoto/imago
Dagegen aufstehen!
„Rassismus bei der Leichtathletik-EM: Eine Sache sagen“, taz vom 14. 8. 26
Smilla Kolbe, in deinem Interview nach dem 800-Meter-Lauf hast du vor laufender Kamera emotional und ehrlich eine Lanze für das deutsche EM-Team gebrochen. Respekt!!
Du bedanktest dich zunächst für den Support vieler Menschen in den sozialen Medien. Du benanntest allerdings auch klar und selbstbewusst den zunehmenden Rassismus, mit dem sich dort viele deiner Kolleginnen und Kollegen auseinandersetzen müssen.
Ich bedanke mich hiermit ausdrücklich für deine Äußerungen! Es ist traurig, dass es Menschen gibt, die sich zu diesem offenen Rassismus hinreißen lassen, nur um andere damit zu verletzen. Sie verbreiten online Hass und Lügen, und das meist ohne Gesicht – das ist ja so schön einfach. Diese Leute streuen Hass. Wir alle sollten es Smilla gleichtun und gegen diesen Rassismus aufstehen!
Achim Bothmann, Hannover
Eigenverantwortung
„Debatte um Schwarzen Cambridge-Professor: Falsch verstandener Antirassismus“, taz vom 18. 8. 26
Sie bezeichnen Jason Arday als „Opfer eines falsch verstandenen Antirassismus“ und schreiben, andere hätten ihn „in eine untragbare Position gebracht“.
Damit legen Sie Arday auf die Opferrolle fest.
Arday war Opfer rassistischer Anfeindungen. Aber er war nicht nur Opfer. Wo er selbst falsche oder irreführende Angaben machte, trug er dafür auch selbst Verantwortung.
Er behauptete, 600 Meilen in sechs Tagen gelaufen zu sein, und erklärte später, tatsächlich seien es zwölf Tage gewesen. Er sprach von fünf bis fünfeinhalb Millionen Pfund gesammelter Spenden; auf Nachfrage erklärte er, die Summe sei über zwei Jahrzehnte mithilfe zahlreicher Fundraising-Kollektive zusammengekommen.
Arday berichtete außerdem, vor dem Haus seiner Eltern sei ein Schweinekopf abgelegt worden und die Metropolitan Police habe deswegen ermittelt. Die Polizei erklärte später, eine solche Untersuchung habe nicht stattgefunden.
Nichts davon rechtfertigt rassistische Hetze. Aber genauso wenig ist es gerechtfertigt, Ardays eigene Verantwortung aus der Geschichte herauszuschreiben. Arday war nicht bloß eine Projektionsfläche anderer. Er war auch selbst handelnder Akteur. Diese Eigenverantwortung fehlt mir in Ihrem Kommentar.
Michael Pfeiffer, Neuhausen auf den Fildern
Danke für Zu-MUT-ung
Danke für zwei und mehr unterschiedliche Kommentare zum Fall Arday. Man kann hier so gut sehen, dass nicht einer allein die ganze Wahrheit besitzt.
Bin richtig erfreut über diese Zu-MUT-ung für die Leserschaft, beides mitzudenken. Maren Meyer-Stoll, Kassel
Faktencheck fehlt
„Warum ich die Vorsilbe „Deutsch“ wieder ablegte“, taz vom 4. 8. 26
Ein kleiner Faktencheck: Polioimpfung wurde in den USA erst 1955 zugelassen. Was der Autor Mohamed Ibrahim hier schreibt, kann also nicht wahr sein: „Mein Vater wurde 1945 in einem Dorf im damaligen Palästina geboren, aus dem er und meine Großeltern drei Jahre später während der Nakba vertrieben wurden. Durch die Vertreibung erhielt er die Impfung gegen Kinderlähmung nicht rechtzeitig.“
Auch der Einmarsch der israelischen Armee im Libanon wird völlig zusammenhangslos dargestellt.
Auch die Aussage, auf Deutschland nach dem 7. Oktober 2023 bezogen: „Demonstrationen gegen den Krieg wurden verboten“ trifft einfach nicht die Tatsachen. Es gibt genaue Vorgaben, weshalb Demonstrationen verboten wurden, und die Begründung war nie, „weil sie gegen Krieg waren“, das ist juristisch einfach falsch.
Ich finde, man sieht, dass ihr bemüht seid, „mehrere Seiten“ zuzulassen, aber ich bin sicher, ihr habt da viele Kämpfe auszufechten. Ich denke, es wäre aber ganz besonders wichtig, bei den Artikeln die Faktenprüfung unabhängig zu gewährleisten. Ich wünsche euch weiterhin alles Gute. Hanna Brögeler
Neuer Beruf: Interessensspagat
taz vom 13. 8. 26
Timm Kühn hat recht: Diese SPD braucht es nicht. Aber aus einem anderen Grund. Eine Partei, die gleichzeitig Mieter beruhigen, Vermieter nicht erschrecken, Immobilienkonzerne nicht verärgern und trotzdem sozial aussehen möchte, hat offenbar einen neuen politischen Beruf erfunden: den Interessenspagat ohne Bodenkontakt.
Steffen Krach sagt Nein zur Enteignung, will aber gegen den Mietenwahnsinn kämpfen – das ist ungefähr so, als würde die Feuerwehr erklären, sie sei gegen Wasser, wolle aber Brände löschen. Vielleicht ist das eigentliche Problem der SPD nicht, dass sie Kapital und Arbeit vertreten will. Das wäre ja noch klassische Sozialdemokratie. Das Problem ist, dass inzwischen beide Seiten nicht mehr wissen, ob sie ihr glauben sollen. Die SPD hat also nicht zu viele Wähler verloren. Sie hat ihre Gebrauchsanweisung verloren
rhebs auf taz.de
Handeln ist wichtig
„Klimaanpassung ins Grundgesetz“,
taz vom 214. 8. 26
Umweltminister Carsten Schneider will den Klima-, Wasser- und Hitzeschutz in das deutsche Grundgesetz einbringen lassen. Handeln wäre aber die bessere Alternative. Nur mehr Güter von den Wasserstraßen auf die Asphaltstraßen und die Bahn zu bringen, ist wegen den zusätzlichen CO2-Emissionen nicht die Lösung der Probleme. Da muss viel mehr kommen, wenn wir den Kampf gegen den Klimawandel auf unserem Planeten Erde noch gewinnen wollen und können. Roland Klose, Bad Fredeburg
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen