wortwechsel: Was hilft gegen Hitze und schlechte Laune?
Ein Schwimmbad für viel Geld vor dem Theater, Lüften statt Klimaanlagen zu Hause. Und gegen die schlechte Laune hilft (manchmal) die taz.
Foto: David Baltzer/Agentur Zenit
Theater in die Bäder
„Tauchen vorm Theater“, taz vom 10. 8. 26
Der Volksbühnen-Intendant schenkt der hitzegeplagten Stadt Berlin mit ihren notorisch unterfinanzierten und rar gesäten Bädern vor dem Theater ein Pop-up-Freibad. Berichtet die taz und zitiert den Intendanten mit: Es sei „eine liebevolle Umarmung der Stadt Berlin“. Tolle Idee, aber etwas zu kurz gesprungen, angesichts der fast 25 Millionen Euro Subventionen für die Volksbühne Berlin. Die Ruhrfestspiele in meiner Heimatstadt Recklinghausen kosten nur rund ein Viertel. Die sind dafür auch ziemlich bieder und würden sich so ein neu gedachtes Theater wie das 25-Meter-Becken in Berlin niemals trauen. Aber auch der Volksbühnen-Intendant ist nicht der Mutigste. Warum macht er nicht sein Theater zur Obdachlosenunterkunft und schickt sein Ensemble – nach zuvor erteilter Unterweisung durch DLRG und Stadt – in die Berliner Bäder? Nicht nur zur Aufsicht, sondern auch als Sicherheits- und Putzkräfte! Der Theaterbetrieb wird im Gegenzug eingestellt und mit den eingesparten Millionen das eine oder das andere geschlossene Berliner Bad wiedereröffnet. Das wäre ein wirklich tolles neues Theater, so richtig nah bei genau dem Publikum, das man sonst nie erreichen würde!Peter Lautsch, Recklinghausen
Machbarkeitswahn
„Rechenzentren im All: Wir müssen Wagnisse eingehen“, wochentaz vom 8. 8. 26
Ich danke sehr für dieses Interview, das für mich am Schluss etwas auf den Punkt bringt, in welchen wahnsinnigen Zugzwängen wir meinen sein zu müssen. Die Frage vom Interviewer zielte darauf ab, ob es aus Umweltgründen nicht klüger wäre, auf die massive Steigerung von Satelliten im Orbit zu verzichten. Die Antwort war, mit meinen Worten, dass es noch andere „Umweltsünden“ gibt, die wir in Kauf nehmen, und auch an dieser Stelle müssen wir mithalten, damit wir nicht das Nachsehen haben. Ja, in dieser entsetzlichen Klemme stecken wir, und ich möchte es mit einem Zitat aus dem Leserbrief „Feministische Kritik“ von Ulrike Müller, aus derselben taz beschreiben, obgleich es sich auf einen ganz anderen Inhalt bezieht: „Wann wird der menschliche/männliche Machbarkeitswahn reflektiert ...?“
Jochen Künkele, Bielefeld
Häme kontraproduktiv
„Titelseite wochentaz“, wochentaz vom 8. 8. 26
Liebe taz-Redaktion, auf der Titelseite findet ihr es erschreckend, dass im ARD-„Deutschlandtrend“ nur die AfD zulegt. Der überwiegende weitere textliche Teil der Seite widmet sich der Demontage des Kanzlers, indem ihr euch darüber lustig macht, dass der „unbeliebte Kanzler“ in seinem Urlaub keine Fehler begeht und diese möglichen Fehler auflistet. Ich möchte nun nicht behaupten, dass, was in der taz steht, irgendwelchen Einfluss auf den „Deutschlandtrend“ hat. Aber die Demontage der amtierenden Regierung, die im Grunde in den meisten Medien betrieben wird, gibt der AfD sicherlich Auftrieb. Mit Demontage meine ich nicht Hinterfragen und Kritik, sondern Häme.
Joachim Vögele
Rechte Ökopolitik
„Autoritär heißt heute, keine Regulierung zu akzeptieren“, wochentaz vom 29. 7. 26
Isolde Charim behauptet in ihrer Kolumne, Marine Le Pen habe bislang zur „Phalanx der Klimawandelleugner“ gehört; die Politikerin wolle mit ihrem Vorschlag, Schulen, Spitäler und Altersheime mit Klimaanlagen auszustatten, „die Symptome von dem, was es für sie nicht gibt, bekämpfen“. Es stimmt allerdings nicht, dass die Präsidentschaftskandidatin den menschengemachten Klimawandel leugnet. Le Pen und ihre Partei unterscheiden sich in diesem Punkt sehr deutlich von der AfD und vielen anderen Rechtsaußenparteien. Das taten sie bereits, als der Rassemblement noch Front National und sein Vorsitzender Jean-Marie Le Pen hieß: Im Präsidentschaftswahlprogramm 2007 wurden eine menschengemachte Erderwärmung als Tatsache anerkannt und in der Konsequenz ein Ausbau sowohl erneuerbarer Energien als auch der Atomkraft (die man als CO2-arme Technologie betrachtete) gefordert. Im Präsidentschaftswahlprogramm 2022 findet sich ebenfalls die Ansage, den Kampf gegen die Erderwärmung aufnehmen zu wollen. Schon in seinen Anfängen hat der Front National ökopolitische Akzente gesetzt – und Naturschutz diskursiv mit Heimatschutz verknüpft. Dass die Ökopolitik des Rassemblement National zum Teil völlig widersprüchlich ausfällt und die Abgeordneten der Partei mit ihrem Stimmverhalten – früher wie heute – die eigenen offiziellen Programmziele immer wieder konterkarieren, steht auf einem anderen Blatt. Björn-Uwe Klein, Bad Laasphe
Fokus auf Klimaanlagen
„Wo die Hitzeanpassung scheitert“, wochentaz vom 8. 8. 26
Ich finde es gut, dass ihr euch dem Thema der belastenden Hitze in Wohnräumen annehmt. Woran ich mich aber etwas gestoßen habe, ist der vornehmliche Fokus auf Klimaanlagen. Zwar gab es auch in einer vergangenen wochentaz einen Artikel über Alternativen zu diesen teuren und in der Gesamtbilanz eher energieaufwendigen Geräten, dieser ging aber über allgemein bekannte Informationen leider nicht hinaus. Ich würde mir einen Artikel wünschen, der sich grundlegend mit der Wärmeströmung beschäftigt und erörtert, wie man diese beispielsweise durch den Einsatz von Bodenventilatoren in der Nacht gezielt unterstützen könnte. Selbst in den sogenannten tropischen Nächten fällt das Thermometer deutlich und erreicht seinen Tiefpunkt zwischen 2 und 4 Uhr morgens, der meist auch in solchen Nächten dann um die 20 Grad liegt. In Deutschland und den meisten Teilen Europas kann man die (noch) natürlich gekühlte und trockene Nachtluft effizient in den Wohnraum „ziehen“, während man die warme Luft „rausdrückt“.
Christoph Lanzen, Gau-Odernheim
Bobsens Späti
„Hauptsache, Berge“, wochentaz vom 8. 8. 26
Samstagmorgen, Tee und erster Blick in die taz: AFD-Wahlprognose für Sachsen-Anhalt > 40 Prozent; Trump hat sein Vermögen seit seiner 2. Amtsperiode vervielfacht; in der kanadischen Provinz Manitoba verschwinden seit Jahrzehnten indigene Frauen und Mädchen. Meine morgendliche Stimmung kippt. Dann: Bobsens Späti. Vergleich der durch die Eiszeit entstandenen Berliner Platte mit den Kabuler Bergen und die Feststellung, dass Berlin eine „Mischung aus Naturgewalt und Sperrmüll“ ist. Ich muss – kann nicht anders – prustend lachen. Auswanderungsfantasien stelle ich (vorläufig!) zurück. Danke, Bobby.
Elke Wetzel, Frankfurt am Main
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen