wortwechsel: Fortpflanzung mit System
Leihmutterschaft ist in Deutschland nicht erlaubt, wohlhabende Menschen wie Jens Spahn umgehen das Verbot im Ausland. Die taz-Leserschaft befürchtet die Legalisierung
Foto: Fabian Weiss/laif
Klimaschutz
„Mit weniger Geld mehr Klimaschutz“,
wochentaz vom 25. – 31. 7. 26
Der Artikel spricht mir aus der Seele, wir diskutieren viel zu wenig die internationalen Wege zum (internationalen) Klimaschutz zusätzlich zur Frage, ob wir in Deutschland in einer Technologie zu x oder x minus 10 Prozent auf dem richtigen Klimapfad sind.Der Fehler ist aber nicht ein Entweder-oder, sondern der internationale Aspekt muss hinzukommen.
Die Argumentation des Autors steht und fällt mit der Wirksamkeit des Schutzes von Regenwald und Mooren. Meines Erachtens das Schwierigste, aber nicht Unmögliche ist, international effektive und verbindliche Abkommen zu schließen. Das würde auf eine „Koalition der Willigen“ hinauslaufen. Die Erfahrungen damit scheinen mir leider eher ernüchternd.
Georg Kratz-Kummetz, Freiburg
Zusammenstehen
„Mit Anti kommen wir nicht weiter“,
wochentaz vom 25. – 31. 7. 26
Peter Unfried spricht mir mal wieder aus der Seele. Ich bin allerdings schon über 70 und vermute, vor 50 Jahren hätte ich gezweifelt, ob das wirklich der richtige Weg ist, die Gefahr des dräuenden Faschismus zu bekämpfen, indem man sich zähneknirschend als Linksgrüner oder Öko mit den Rechtskonservativen zusammentut, derentwegen und gegen die man schließlich in den 1980ern Ortsverbände gegründet hat in der Hoffnung, es würde sich alles zum Besseren wenden.
Hat Joschka Fischer aber nicht recht, wenn er sagt, einen Gutteil hätten wir geschafft? Das dürfen wir uns von den Rechtsextremisten nicht kaputt machen lassen! Also scheint jetzt die Zeit gekommen, dass sich alle Demokraten – diesmal rechtzeitig – zusammenschließen, um das Schlimmste zu verhindern. In Ungarn hat es geklappt, warum nicht auch bei uns?
Willi Mößel, Nürnberg
Paradigmenwechsel
„Mit Anti kommen wir nicht weiter“,
wochentaz vom 25. – 31. 7. 26
Um einen Zuständigkeitswechsel zu vollziehen, muss man früher keine Steine geworfen haben, und von dagegen zu dafür gibt es manchmal plausible Gründe. Der kulturelle Paradigmenwechsel generiert viele Veränderungen, aber er geht leider auch in verschiedene Richtungen. Vielfältige Krisen, kulturelle, politische Veränderungen und die Transformation im Bildungsbereich verunsichern und optimieren gleichermaßen. Was kann der kritisch orientierte Bürger tun, wenn sich seine Regierung nicht an die festgelegten Vorgaben hält und der politische Diskurs in rechte Denkstrukturen abdriftet, die jenseits vom Grundgesetz verortet sind und in vielerlei Hinsicht einem humanistischen Menschenbild widersprechen. Richtig: Er ist dagegen! Das hat nichts damit zu tun, dass hier linke Illusionen gepflegt werden, sondern mit realpolitischen Umbrüchen, denen zu begegnen ist! Die Politik ist aufgefordert, zu handeln, damit wir vertrauensvoll in die Zukunft blicken können und resilienter gegen Hetze, Hass, Krieg und Krisen leben, ohne uns selbstsüchtig und egoistisch gegen andere zu richten.
Das dafür von Peter Unfried entspricht dem Zeitgeist, der doch nur einen Ausschnitt für Verbesserungen bietet. Trumps „America First“ liefert uns doch alle negativen Auswirkungen dieses Denkens. Für ein dafür gibt es in jeder Gesellschaft Grundbedingungen: an allererster Stelle Bildung und Erziehung, Schutz von Minderheiten, Solidarität für Benachteiligte.
Wolfgang Rauch, Kronau
Reproduktionsmedizin
wochentaz vom 25. – 31. 7. 26
Das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland wird mit Sicherheit fallen. Das Selbstbestimmungsrecht um jeden Preis wird die Oberhand über die Würde gewinnen und diese als unhintergehbares Tabu ablösen.
Die moralische Haltung, die im Begriff der Würde zum Ausdruck kommt, wird ersetzt durch einen instrumentellen Begriff der Selbstbestimmung.
In einer rationalen Rechtsordnung und preisgebenden neoliberalen Marktwirtschaft spricht alles für die Expansion des lukrativen Wirtschaftszweigs der Reproduktionsmedizin. Ethisch und moralisch spricht jedoch vieles dagegen!
Ernst Minninger, Limbach
Feminismus?
wochentaz vom 25. – 31. 7. 26
Ich empfinde eure Berichterstattung in Sachen Leihmutterschaft als unempathisch und verstehe nicht, dass die taz nahelegt, als Feministin könnte man die Leihmutterschaft gutheißen. Nur weil der Staat etwas verbietet, was mit dem weiblichen Körper zu tun hat, müssen wir als Feministinnen doch nicht reflexhaft dagegenschießen, egal, was es ist.
Hier ist es das „Recht“, mit unseren Körpern ein Kind für andere (vorwiegend Männer) auszutragen. Der Kapitalismus und alle seine Akteure freuen sich sehr über die Möglichkeiten, die sich ihm hier eröffnen. Ich halte zudem das Menschenbild, das hinter dem Gedanken „Jede Frau weiß am besten, was gut für sie ist“ steckt, für sehr naiv. Zumal es den Frauen, die global von der Ausbeutung durch kommerzielle Leihmutterschaft betroffen sind, nichts hilft.
Lena Kühn, Kusterdingen
Komplexität
„Warum denn keine Pflegekinder?“,
taz vom 25. 7. 26
Danke für diesen überfälligen Beitrag zum Thema Leihmutterschaft. Letztlich spielen nicht nur individuelle, sondern auch ideologische und sozioökonomische Faktoren beim Kinderwunsch in allen Familienkonstellationen eine Rolle.
Gerade diese Sicht hat mir in den Beiträgen der aktuellen wochentaz sehr gefehlt, in der meiner Meinung nach ein unterkomplexes Bild der Thematik abgebildet wurde. Besonders als Linke dürfen wir die Kritik an starken Optimierungsbestrebungen, die in der Kinderwunschzeit anfangen und beim Kind selbst kaum haltmachen, Konservativen nicht überlassen!
Charlotte Dittmar, Berlin
Wortgebung
wochentaz vom 25. – 31. 7. 26
Ich habe ein Problem mit dem Begriff „Leihmutter“.
Ich muss mir keine Mutter leihen, weil meine noch lebt. Und es ist doch so, dass eine Frau ihr Kind an Fremde weitergibt, die dann das Sorgerecht für das Kind übernehmen. Die Mutter erhält dafür eine Bezahlung.
Ich empfinde das eher als einen Kauf eines Kindes.
Uwe Ernst, Karlsruhe
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