wortwechsel: Gott und Fußball: Wozu Religion auf dem Rasen?
Öffentlich seinen Glauben zu bekunden, wie Felix Nmecha es nach dem Spiel gegen Curaçao getan hat, ruft sehr unterschiedliche Reaktionen bei den Lesern hervor
Foto: Maria Lysaker/Imagn Images/reuters
taz vom 15. 6. 26
Gebet starkes Zeichen
Seine Aussagen und Social-Media-Aktivitäten darf man kritisch hinterfragen. Aus dem öffentlichen Bekenntnis eines Christen jedoch ein „finsteres Menschenbild“ abzuleiten, greift zu kurz. Der christliche Glaube, zu dem sich Nmecha bekennt, gründet auf der Überzeugung, dass Gott alle Menschen liebt und jedem Menschen Würde verleiht. Gerade deshalb ist das gemeinsame Gebet deutscher und curaçaoischer Spieler nach dem Spiel ein starkes Zeichen. In einer Zeit von Kriegen, Polarisierung und Hass stehen hier Menschen unterschiedlicher Nationen gemeinsam vor Gott.
Im Profisport, der oft von Selbstinszenierung geprägt ist, wirkt die Haltung wohltuend, dass Erfolg nicht nur das eigene Verdienst ist. Und warum sollte es problematisch sein, wenn ein Christ seinen Glauben sichtbar lebt? Muslimische Sportler beten auf dem Platz oder danken öffentlich Allah – und das wird zu Recht als Ausdruck religiöser Identität respektiert. Religionsfreiheit gilt für alle – auch auf dem Fußballplatz
Alexander Blümel auf taz.de
Kritik berechtigt
Einmal über den Background und die Aktivitäten von John Bostock informieren. Wer den als seinen Mentor bezeichnet, positioniert sich ziemlich unmissverständlich. Das ist evangelischer Fundamentalismus und kein christlicher Glaube. Von christlichen Überzeugungen kann erst recht nicht die Rede sein, wenn unter anderem Zwangstherapien für Homosexuelle gefordert werden. Die Kritik ist daher absolut berechtigt und würde wahrscheinlich auch nicht anders ausfallen, wenn ein muslimischer Nationalspieler extreme Positionen des Islamismus öffentlich vertreten würde.
Sam Spade auf taz.de
Frommer Anhänger
Eine schöne Geste, mit Mitgliedern der gegnerischen Mannschaft gemeinsam auf dem Rasen zu beten. Gar nicht schön ist das magische Denken, das religiöse Versatzstücke rituell missbraucht, um sozusagen „Jesus in den Wett-Kampf zu schicken“, ihm für den Sieg zu danken. Jesus starb für das absolute Gegenteil von Konkurrenz. Also ist Hr. Nmecha wohl ein frommer Anhänger von was auch immer, aber sicher kein Christ. Das zeigt sich auch in seiner Haltung zu queeren Menschen.
Selbstauslöser auf taz.de
Abwertender Ton
Ich kann verstehen, dass die öffentlichen Aussagen von Felix Nmecha und seine Verbindung zur Organisation Ballers in God kritisch betrachtet werden. Was mich jedoch stört, ist der abwertende Ton im Artikel. Ausdrücke wie „evangelikale Sekte“ oder Formulierungen wie „Ach, Gottchen!“ kommen mir nicht sachlich vor. Stattdessen sieht es so aus, als würde man sich über den persönlichen Glauben des Spielers lustig machen. Das finde ich generell respektlos gegenüber gläubigen Menschen und dem Christentum, egal wie man zum Fußball oder Nmechas Ansichten steht. Ich denke, dass ein seriöser journalistischer Kommentar auch bei kontroversen Themen auf herabwürdigende Worte verzichten sollte.
Laurent Fein
Sie sind nicht lustig
„Comicstrips auf der Wahrheit“
taz der letzten Wochen
Einige Wochen hoffte ich, dass die neuen Comicstrips allmählich an Qualität gewinnen würden. Leider geschieht das nicht. Zeichnerisch folgen sie der gewollten Simplizität. Auf die Dauer ist das öde. Noch schlimmer: Sie sind nicht lustig. Ausnahmen wie der von Dorthe Landschulz in dieser Woche sind zu selten. Mir geht es nicht um die Perpetuierung von Touché. Aber die Strips sollten optisch und erzählerisch was bieten. Schon komisch, dass Landschulz, Hebler und Rattelschneck geniale Cartoons können, aber keine Comics. Ersetzt doch bitte die Strips durch Cartoons.
Christoph Danelzik-Brüggemann, Düsseldorf
Enormer Drill
„Schülerunruhen in Kenia: Die Oberschulen brennen“
taz vom 10. 6. 26
Ich lebe seit drei Jahren in Kenya und bin mit einer Kenyanerin verheiratet. Nein, es war kein Brandanschlag! Die Schülerinnen haben die Schule angesteckt, so wie in mindestens 20 Fällen vorher. Es brennen mehr Jungenschulen als Mädchenschulen. Und es brennen ausschließlich Internate (Boarding Schools). Aus dem britischen Kolonialismus übernommen, gelten sie als „gute Schulen“. Die Unterbringung ist mehr als spartanisch, das Essen sehr eintönig, der Drill enorm. Trotzdem haben die Internate noch keinen Mangel an Neuanmeldungen. Aber der Frust unter den Schülern wächst. Das pädagogische Personal reagiert ziemlich hilflos (so war Anlass für die jüngste Brandstiftung, dass sich die Schulmannschaft nicht für ein Fußballturnier qualifizieren konnte). Das gesamte System der Boarding Schools sollte abgeschafft werden – es ist nicht reformierbar.
Michael Stiels-Glenn, Ukunda, Kwale County, Kenya
Dänisches Modell
„Das ist ja fast klassenkämpferisch“
taz vom 13. 6. 26
Für die Sozialdemokratie gibt es eine Möglichkeit,aus der Bedeutungslosigkeit und der Rolle als Steigbügelhalter christdemokratischer Lobbis zu wieder mehr als 20 % Stimmenanteil zu kommen: mit dem dänischen Modell, das den dortigen Sozialdemokraten nicht nur ihren eigenen Stimmenanteil deutlich erhöht hat, sondern gleichzeitig den Stimmenanteil rechtspopulistischer Parteien drastisch reduziert hat. Damit würde die demokratische Linke a) die eigenen Probleme lösen, b) das Problem AfD lösen, c) in Deutschland islamische Parallelgesellschaften abbauen.
Lutz Heiber, Joldelund
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