wortwechsel: Deutschland, das Einwanderungsland
Zuwanderungsländer müssen komplexe Aufgaben in der Bürokratie bewältigen, gesellschaftliche Herausforderungen starten oft schon mit dem Schritt vor die Haustür
Rassismus
„Warum nicht einfach nur deutsch“,
wochentaz vom 16. – 22. 5. 26
Wie wir am Erfolg der AfD sehen, wird es nur begrenzt helfen, wenn die Politik Deutschland zum Einwanderungsland erklärt. Jeder einzelne Mensch muss diesen Schritt vollziehen, und wir sehen, dass es genau da nicht funktioniert. Solange Schwarze Deutsche selten sind, wird es wohl dauern, bis alle weißen Einwohner Schwarze Deutsche als selbstverständlich ansehen, und auch was selbstverständlich ist, wird leider von (zu) vielen nicht akzeptiert. Ich habe Sorge, dass wir zu sehr über „Rest“-Rassismus von eigentlich gutwilligen Menschen diskutieren, anstatt auch nur ansatzweise etwas an diesem massiven „echten“ Rassismus zu ändern.
Elisabeth Jalbert, Hamburg
Verallgemeinerung
„Warum nicht einfach nur deutsch“,
wochentaz vom 16. – 22. 5. 26
Das im Beitrag behandelte Problem, die Identität Schwarzer Menschen bezüglich ihrer Hautfarbe zu hinterfragen, wird aus verschiedenen Perspektiven umfassend und vielseitig beleuchtet. Danke dafür. Befremdlich finde ich allerdings im ersten Satz die Verallgemeinerung „afrikanisch“ zur Charakterisierung Schwarzer Menschen. Zumindest in großen Städten, leben Weiße Menschen ebenso selbstverständlich, wie es umgekehrt für Schwarze Menschen im Rest der Welt gelten sollte.
Afrika quasi im Subtext zum „Schwarzen Kontinent“ oder zu „Schwarzafrika“ zu erklären, sollte mit dem Ende des Kolonialismus ein für allemal tabu sein.
Jakob Georg Weber, Groß-Bieberau
Differenzierung
„Der Antisemitismus kennt keine Parteien“,
wochentaz vom 2. – 8. 5. 2026
Ja, es ist beängstigend mitzuerleben, dass „Nie wieder“ schon längst überholt ist. Und an dieser Entwicklung haben nicht nur Faschos Schuld, sondern auch die, die so weit links sind, dass sie Anschluss an faschistisches Gedankengut gutheißen. Sie tarnen sich zwar als Menschenrechtsverteidiger und propagieren ihr „Recht auf Kritik an Israel“. Menschenrechte haben aber nur die, die von Israelis = Juden in einem Krieg geschädigt werden.
Alle anderen Kriegsopfer, alle anderen Frauen, die von Kämpfern vergewaltigt werden, alle anderen hungernden Kinder sind völlig egal, und auch die jüdischen Opfer interessieren nicht. Die sind doch selber schuld. Ich stelle leider auch in der taz seit geraumer Zeit fest, dass nicht immer angemessen differenziert wird und Anschuldigungen erfolgen, die bei erweiterter Recherche nicht haltbar sind.
Heike-R. Nickl, Saarbrücken
Neues gelernt
„Über Männer“,
wochentaz vom 9. – 15. 5. 26
Viele interessante Themen in der männertaz. Mein vorläufiges Resümee: Vielleicht brauchen wir als Gesellschaft mehr „gemischte Stuhlkreise“, um in einen gewaltfreien, diskursiven und konstruktiven Austausch über Rollenzuschreibungen zu kommen, vor allem, wenn es toxische Rollen sind mit Eigen- und Fremdgefährdung. Ich hab viel Neues gelernt und kann jetzt ICE-Surfen und Looksmaxxing als gefährliche und verzweifelte Versuche einordnen, als Mensch mit Gefühlen und Wünschen gesehen und wahrgenommen zu werden.
Elke Wetze , Frankfurt
19. November
„Über Männer“,
wochentaz vom 9. – 15. 5. 26
Ich glaub’s ja fast gar nicht! Die taz gibt tatsächlich mal eine „männertaz“ heraus. Ich hoffe mal, es ist mehr als nur ein Gag und hoffentlich keine einmalige Sache. So könnte die taz, analog zum 8. März zumindest einmal jährlich auch eine Schwerpunktausgabe zum 19. November machen, also zum Internationalen Männertag. Und nein, dieser Männertag ist weder eine Retourkutsche auf den Frauentag noch ein Festtag maskulinistischer Gruppierungen.
Jörg Wilhelm, Wiesbaden
Macht des Faktischen
„Die Wirtschaft geht baden, wir auch“,
wochentaz vom 9. – 15. 5. 26
Die Mär vom angeblichen Wirtschaftswachstum wird immer noch erzählt, dabei wird vergessen, dass die Messung desselben unzulänglich ist. So wird ein Unfall, die Zerstörung von Gütern, positiv ins BIP eingerechnet, weil Wertschöpfung durch Rettungseinsatz und Reparatur entsteht; die vernichteten Werte werden ignoriert. Zudem ist ein erheblicher Teil unseres materiellen Wohlstands auf die Ausbeutung von Menschen und Natur gegründet, wahrlich ein enormer Erfolg.
Ein Runterkommen auf ein sozial- und umweltverträgliches Niveau kann daher nicht wirklich schaden. Auch ist Wohlstand rein materiell definiert, am Sozialen mangelt es dagegen häufig. Das Bruttoglücksprodukt in Bhutan ist ein Versuch, den Wohlstand besser zu erfassen. Ich hoffe auf die Macht des Faktischen, die die unumgänglichen Veränderungen unserer Wirtschafts- und Konsumweise erzwingen wird, wie der fortschreitende Klimawandel deutlich zeigt.
Michael Beck, Wolfenbüttel
Erosion
wochentaz vom 2. – 8. 5. 26
Dass Friedrich Merz ein Jahr nach seiner Wahl zum Bundeskanzler historisch niedrige Zustimmungswerte erhält, ist kein Zufall. Die Bevölkerung spricht ihm schlichtweg die für das Amt notwendigen Kompetenzen ab.
Merz’ rassistische und geschichtsvergessene „Stadtbild“-Äußerungen, sein Ausspielen sozialer Gruppen gegeneinander, sein Eintreten für die Kürzung von Programmen zur Demokratieförderung, sein neoliberales Gesellschaftsdenken befördern eine regressive Politik. Insbesondere aber sein Empathiedefizit und sein polarisierender Kommunikationsstil erweisen sich als hochproblematisch. So kann die Integration sozial, kulturell und politisch höchst diverser Gruppen in einer pluralistischen Gesellschaft nicht einmal ansatzweise gelingen. Stattdessen befördert Merz’ antisozialer Kurs Zugewinne der extremen Rechte und trägt zur Erosion der Demokratie bei.
Marcel Remme, Tübingen
Chemieindustrie
„Der Gewerkschafter, der gegen die CO2-Bepreisung kämpft“,
wochentaz vom 16. – 22. 5. 26
Die Hommage auf Michael Vassiliadis ist mir zu realitätslastig. Die realistischen Kritiken der Beschlüsse von Rio 1 wie Paris 2015 haben zur Überschreitung der Erderwärmung um 2 Grad geführt. Oder ist die Überschreitung von 450 ppm CO2 in der Atmosphäre zu verhindern?
Klaus Warzecha, Wiesbaden
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