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wortwechselVon Wendewünschen und Familienerzählungen

Die Energiewende ist den taz-Lesenden wichtig, aber auch soziale Belastungen durch den Umbau spielen eine Rolle. Familiengeschichte hilft, die eigene Gegenwart zu entschlüsseln

Erneuerbare-Energien-Beschaffer am Meer in Deutschland Foto: Markus Mainka/Zoonar.com/imago

Spritpreise

Was kommt da auf uns zu?“,

wochentaz vom 21.–27. 3. 26

Schade! Da hätte ich von einer alternativen Zeitung mehr erwartet als die gleichen Botschaften, die in den bürgerlichen Medien zum Thema Spritpreise zu sehen, zu hören und zu lesen sind. Nämlich Alternativen! Zum Beispiel, die Ausrufung eines „Tankboykotts“, meint, ich fahre nicht mehr zum Tanken, oder ich fahre weniger zum Tanken! Stattdessen lege ich mehr Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder, immer noch besser als mit dem Pkw oder Motorrad, mit dem Elektro­roller zurück! Das spart Sprit (= Geld), hilft Umwelt und Klima, hält fit und stärkt die Abwehrkräfte. Sollte trotzdem das Fahren mit einem Kraftfahrzeug unumgänglich sein, einfach mal an die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten halten.

Karl-Ludwig Klingelschmitt,

Rüsselsheim am Main

„Fossilokratie“

Der Todeskampf der fossilen ­Wirtschaft“, wochentaz vom 21.–27. 3. 26

Ich habe selten einen Kommentar gelesen, in dem so präzise und treffend die egoistischen Interessen der „Fossilokratie“ erläutert wurde. Nun kann man diese Interessen noch logisch nachvollziehen, denn die Vertreter der Fossilokratie handeln ja für sich beziehungsweise ihre Aktionäre, schlimm und unentschuldbar wird das Ganze aber durch das Nichthandeln der Politik, die nicht nur stillhält, sondern dieses Treiben noch mit vielen Milliarden Steuergeld fördert und die Ausbreitung erneuerbarer Energien hintertreibt!

Jochem Pfriem, Bad Homburg

Soziale Belastungen

Der Todeskampf der fossilen ­Wirtschaft“, wochentaz vom 21.–27. 3. 26

Klar, erneuerbare Energien wachsen schnell – trotzdem hängt vieles davon ab, wie Politik und Gesellschaft handeln. Wenn Förderungen gekürzt werden, Genehmigungen ewig dauern oder der ­Netzausbau hinterherhinkt, kann sich der Fortschritt deutlich verlang­samen.

Weltweit stammen große Teile der Energie weiterhin aus Öl, Gas und Kohle, vor allem in Ländern, die wirtschaftlich noch aufholen wollen oder stark von der Industrie abhängen. Ein schneller Ausstieg ist dort oft gar nicht realistisch. Und dann ist da noch die soziale Seite: Für viele Menschen bedeutet die Energiewende erst mal hohe Kosten, etwa bei neuen Heizungen oder Sanierungen. Das kann schnell zur Belastung werden. Die Energiewende ist wichtig, keine Frage – aber sie läuft nicht von allein und bringt auch Probleme mit sich, die man ernst nehmen sollte.

JanD auf taz.de

Familiengeschichte

Wir spielen nicht mit bei eurem Gedächtnis­theater“,

wochentaz vom 21.–27. 3. 26

Seine eigene nationalsozialistische Familiengeschichte zu erforschen, heißt vor allem die überlieferten Erzählungen über Familienmitglieder zu hinterfragen. Gängige Erzählungen in meiner Familie lauteten: „Nazis“ waren immer „die anderen“, „er/sie war in der NSDAP nur ein kleiner Fisch und völlig harmlos“. ­Herauszufinden, welche Rolle Familienmitglieder in der Nazizeit gespielt haben, hat nichts mit Reinwaschen zu tun.

Statt Reinzuwaschen werden Opportunismus, Mitläufertum und Karrierismus im Familienumfeld offen gelegt. Anhand dessen kann man nachvollziehen, wie ­totalitäre Systeme funktionieren. Diese Bewusstmachung von totalitären Strukturen an der Basis der Gesellschaft wirkt in die heutige Zeit. Sie macht resilient gegen­über Rechtspopulismus und Faschismus und wirkt der vom Autor beklagten Gleichgültigkeit gegenüber Rechtsruck und Rassismus entgegen.

Von einem Kommentar erwarte ich, dass sich der ­Autor mit dem Thema vorher intensiv inhaltlich auseinandergesetzt hat. Bei dem Kommentar von Herrn Chiponda erkenne ich nur die Aneinander­reihung von linken Kraftausdrücken.

Jörg Langerbeck, Aachen

Verlagerung

„Die Kritik am Sondervermögen ist berechtigt, trotz aller Verteidigungs­versuche der SPD“,

wochentaz vom 21.–27. 3. 26

Das Fazit von Simon Poelchau bringt es treffend auf den Punkt. Schließlich dürfte bei genauerem Hinsehen in manchen Bereichen, wie etwa beim Ausbau des Breitbandnetzes, der leider sogar sehr klar ersichtliche „Verschiebebahnhof“ bei den Zukunftsinvestitionen nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit des hiesigen Wirtschaftsstandorts weiter beeinträchtigen, sondern ebenfalls das genaue Gegenteil der so dringend benötigten Aufbruch­stimmung innerhalb der Bevölkerung erzeugen.

Deshalb muss sich hier insbesondere die SPD-Spitze die Frage gefallen lassen, wie es eigentlich um ihre Wirtschaftskompetenz bestellt ist, da schon beim Infla­tions­schock, auf den es nie eine politische Antwort gegeben hat wie zum Beispiel in Spanien, wo die Mehrwertsteuer zumindest temporär auf Grundnahrungsmittel ausgesetzt wurde, bis heute kaum jemand im Willy-Brandt-Haus bemerkt zu haben scheint, dass dieser in starker Korrelation zu den massiv angestiegenen Wahl­ergebnissen der AfD steht!

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

Sozialphilosophie

Krise als Normalzustand“,

taz vom 16. 3. 26

Der SPD wird der Denker Jürgen Habermas als Dialogpartner fehlen – gerade aktuell mit desaströsen Wahlergebnissen und in einer Zeit der Polykrise mit der Zerstörung der regelbasierten Weltordnung. Die sozialphilosophische Einsichten des Intellektuellen könnten sowohl für die inhaltliche Ausgestaltung des neuen Grundsatzprogramms der SPD als auch für deren politische Kommunikation in einer „krisenanfälligen kapitalistischen Demokratie“(Habermas) von großer Bedeutung sein.

Bisher hat die SPD keine produktiven politischen Antworten auf den von Habermas 2021 problematisierten „neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit“ im Digitalzeitalter gefunden: Fragmentierung der Öffentlichkeit, Erosion der Privatsphäre, massenhafte Verbreitung von Fake News und Ressentiments, Bedeutungs­verlust der Printmedien und enorme Macht­konzentration in den Händen weniger ­US-amerikanischer Techmilliardäre.

Aufgabe der Sozialdemokratie wäre es im Sinne von Habermas die Problema­tiken von KI-Systemen in den öffentlichen Debatten verstärkt einzubringen. Um eine weitere Erosion der Demokratie zu ver­hindern, sollte sich die SPD an dem selbst gesetzten Ziel orientieren und in der Öffentlichkeit dafür zu kämpfen, „[…] die stets drohenden Regressionen aufzuhalten“ (Habermas).

Marcel Remme, Tübingen

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