wortwechsel: „Politik“ – nur noch ein leeres Wort für Wahnsinn?
Täglich neue Katastrophen der Menschenverachtung. Der Irankrieg macht den ganzen Nahen Osten zu einem grausamen Videospiel von staatlich legitimierten Verbrechern
„Völkerrecht und Angriff auf Iran. Einfach mal nicht die Klappe halten“,
taz vom 15. 3. 26
Der komplette Wahnsinn
Wir leben in einer widersprüchlichen Zeit. Ich verstehe den Autor. Alles, was er schildert, ist so passiert. Die Menschen des Irans wurden geschunden und Israel und die ganze Region wurden jahrzehntelang durch das iranische Regime bedroht. Ich würde mir nun wünschen, dass die USA auch den Ukrainern in ihrem Kampf um Freiheit und Demokratie so beistehen würden, wie sie es für die Sache Israels gegenwärtig tun. Kommentar taz forum
Danke für diesen sehr informativen Artikel. Es ist ein Dilemma, da die Machthaber im Iran Menschenrechtsverletzungen und Völkerrechtsverletzungen begehen. Israel und die USA machen das Gleiche. Die Lösung kann nur lauten, dass ein Völkerrecht gilt und zwar für alle. Wenn man*frau die Umgehung des Völkerrechts einmal gutheißt, fehlen bei der nächsten Gelegenheit die Argumente, die Einhaltung des Rechts einzufordern. taz forum
Der Autor macht es sich hier etwas zu einfach. Die UN ist immerhin der einzige internationale und friedensstiftende Rechtsrahmen, den wir haben. Jetzt zu argumentieren, die Mullahs seien ja so böse, da müssen wir halt zum Faustrecht zurück kehren, ist ein Rückfall in vorzivilsatorische Zeiten. Dass dieser Krieg das Mullah Regime stürzt und sich danach eine bessere Ordnung im Iran etablieren kann, ist allenfalls eine sehr, sehr vage Hoffnung, die auch nicht mit den realen Machtverhältnissen (insbesondere der „Revolutionsgarden“) im Einklang steht. Es wäre jetzt an der Zeit darüber nachzudenken, wie man die UN weiter entwickeln kann, aber ganz sicher nicht der Zeitpunkt, um sie de Facto zu entmachten. taz forum
General Wesley Clark sah schon 2001 den Iran als „letztes“ Ziel militärischer Intervention. Clark kritisierte in einer Doktrin des Pentagons, dass das Militär hierbei als Instrument für politische Umstürze zweckentfremdet würde, anstatt nur zur Verteidigung zu dienen. taz forum
Die Abwesenheit der Einhaltung des Völkerrechts ist eine maßlose Brutalität. Und im „Plattmachen“ sind die US-Amerikaner Spitze. Vietnam, Irak, Afghanistan – wer möchte so „befreit“ werden? Im Moment werden Abertausende von Menschen und tausende Jahre alte Zeitgeschichte zerlegt. Es ist der komplette Wahnsinn. taz forum
Hier wird ein Szenario ausgespielt, welches uns vor 50 Jahren als ein möglicher Anfang des dritten Weltkrieges beschrieben wurde. Die Bedrohung der Entsalzungsanlagen als mögliche Eskalation könnte über 100 Millionen Menschen in die Flucht treiben. Die Erfahrungen aus dem Irak-Krieg, der ja so ganz anders sein sollte als der Vietnam-Krieg, lassen mich heute bezweifeln, dass der Iran-Krieg so ganz anders als der Irak-Krieg ausgehen wird. Am 13. Dezember 2003 verkündete Paul Bremer mit den Worten „We got him!“ die Verhaftung von Saddam Hussein … unter Applaus, weil jetzt ja alles besser würde. Danach brach im Irak die öffentliche Ordnung völlig zusammen und es folgten Jahrzehnte des Terrorismus, eigentlich bis heute. taz forum
„Irankrieg und Trump. Auch im Chaos braucht es Taten, nicht nur Worte. Auch wenn unklar ist, was der Irankrieg am Ende bringt, ein Schritt ist getan. Die deutsche Regierung hingegen macht das Gleiche wie immer: nichts“,
taz vom 14. 3. 26
Für mich als Deutsch-Libanesin ist es kaum möglich, diesen Artikel zu lesen, strotzt er doch nur so von Ignoranz und Einseitigkeit: „Auch wenn unklar ist, was der Irankrieg am Ende bringt, ein Schritt ist getan.“ Welcher Schritt? Khamenei wurde getötet – und jetzt sitzt der nächste Khamenei an der Macht. Das Regime steht. Welcher Schritt also? Der Schritt des Angriffs auf zivile Infrastruktur? Schwarzer Regen und Umweltzerstörung über Teheran? Mehr als 3.000 Tote Iraner*innen? Internet-Blackout again? Die Antwort bleibt der Artikel schuldig. Und es geht weiter: „Auch wenn militärische Interventionen gegen das Regime richtig erscheinen …“ Warum scheinen sie richtig? Wem nützt die Intervention denn konkret?
Auch hier, keine Antworten, nur Floskeln. Ja, Europa hat wenig getan um die Opposition im Iran zu stärken, um Minderheiten zu schützen, um das Regime unter Druck zu setzen. Begründungen dafür, wie wenig die Diplomatie angeblich ausrichten kann – die liefert der Artikel nicht. Und welche Leben werden mal wieder vergessen? Die Leben der Bewohner*innen des Libanon, die gerade massivem israelischem Bombardement ausgesetzt sind – auf Wohngebiete. Mehr als 800.000 Menschen sind wegen Evakuierungsdrohungen der IDF auf der Flucht und werden zum Teil auch auf der Flucht bombardiert. Und was ist mit den Leben der beduinischen Bewohner*innen Israels und der Palästinenser*innen mit israelischem Pass, denen keine Bunker, keine Schutzräume zur Verfügung stehen? Sie stehen schutzlos im Bombenhagel! Souraya S.
„Vor dem Showdown. Iran und die USA steuern auf eine Zuspitzung ihrer militärischen Konfrontation zu. Europa wird sich da auf Dauer nicht heraushalten können“, taz vom 22. 3. 26
Europa muss sich militärisch aus diesem Krieg heraus halten: Es ist ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg. Wem das als Grund nicht reicht: Derzeitiges Ziel scheint zu sein, den Iran und seine gesamte militärische und auch zivile Infrastruktur in Schutt und Asche zu bomben – ohne ein erreichbares Ziel, dass diese Zerstörung rechtfertigt. taz forum
Moment mal! Ist Ihnen nicht klar, wie gefährlich solche Gedankenspiele sind? Weder der erste noch der zweite Weltkrieg sind über Nacht entstanden, sondern haben als lokale Kriege begonnen, in die sich dann immer mehr Parteien haben einbeziehen lassen. All zu oft mit Motiven wie „man dürfe sich dieses oder jenes nicht bieten lassen“, man müsse „sein Gesicht wahren“, seine Interessen verteidigen. Diese stets zu kurz gedachte Logik der Eskalation hat schon viel zu viele Opfer gefordert! taz forum
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