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wortwechselBiologisches und soziales Geschlecht

Die Antwort auf die Kinderfrage, warum nur Frauen Kinder bekommen können, erregt Widerspruch. Der Vorschlag zur Erbschaftssteuerreform der SPD erhält Zuspruch

Bei den Seepferdchen tragen die Männer den Nachwuchs in ihrer Bauchtasche aus Foto: David & Micha Sheldo/imago

Abgeschottete Eliten

„Wider den Triumph der Ungerechtigkeit,“ Kommentar zur Idee der SPD-Erbschaftsteuerreform

wochentaz vom 17. 1. bis 23. 1. 26

Die Analyse bringt es auf den Punkt. Schließlich hat eine breite öffentliche Diskussion über eine faire Erbschaftssteuer das Potenzial, die SPD wieder zurück auf die Erfolgsspur zu bringen, da der jetzige Zustand, wonach insbesondere die Er­b:in­nen von sehr großem Vermögen, wenn sie sich gut beraten lassen, ihre Abgaben auf ein Minimum reduzieren können, höchst ungerecht ist und zu einer Konzentration von Kapital in den Händen von nur wenigen Menschen führt, was dem Gegenteil einer an der individuellen Tüchtigkeit ausgerichteten Leistungsgesellschaft entspricht. Deshalb muss man eine Debatte in Deutschland über diese sehr abgeschottete Elitenbildung führen, da ein wesentlicher Grund für den großen Innovationsstau in der Wirtschaft auch damit zu tun haben dürfte, dass sehr häufig in den Spitzenpositionen von Unternehmen frische Querdenker fehlen, die die eigenen Produkte und Dienstleistungen grundlegend infrage stellen, um sie für die beiden Megaherausforderungen Nachhaltigkeit und Digitalisierung neu zu erfinden!

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

Lückenhafte Erinnerung

„Selektive Solidarität“, Beim Berliner Gedenken an die ermordete Rosa Luxemburg wird Internationalismus großgeschrieben.

wochentaz vom 17. 1. bis 23. 1. 26

Dieser Artikel erinnert an die Proteste gegen den Schahbesuch am 2. Juni 1967. Im Jahr 1953 stürzten die USA den demokratisch gewählten Premierminister Mossadegh. Der war in Ungnade gefallen, weil er die bis dahin von US-amerikanischen und britischen Konzernen geführte Ölindustrie verstaatlicht hatte, geleitet von der emanzipatorischen Überzeugung, dass das iranische Öl den IranerInnen gehört. An seiner Stelle installierten die USA den Schah, der eine autokratische Schreckensherrschaft errichtete, durchgesetzt unter anderem mithilfe des berüchtigten Geheimdienstes Savak, aufgebaut mit freundlicher Unterstützung von CIA und MI6. Dieses Schahregime hat die islamische Revolution 1979 hinweggefegt. Seit diesem Umsturz setzten die USA und Israel alles daran, die Ajatollahherrschaft zu stürzen. Deswegen gibt es seit Jahrzehnten massive Wirtschaftssanktionen gegen das Land durch die USA, und diese sind eine Hauptursache für die wirtschaftlich katastrophale Lage im Land, welche die aktuellen sozialen Proteste mit ausgelöst haben.

Bei solchen sehr berechtigten Protesten passiert aber das, was bei all den von den USA gesteuerten Farbrevolutionen passiert: Sie werden von außen gekapert, indem friedlicher Protest gezielt in gewaltsamen Protest verwandelt wird mit dem Ziel „regime change“. In diesem Fall gibt es zahlreiche Hinweise, dass auch hier CIA und Mossad die Hände im Spiel hatten. Dazu passt, dass die Protestierenden vom in den USA lebenden Sohn des Schahs angestachelt werden und dass dieser Ambitionen hat, nach einem Umsturz die Macht im Iran zu übernehmen. Angesichts dieser Zusammenhänge wirkt die mahnende singuläre Erinnerung an die Proteste beim Schahbesuch 1967 geschichtsvergessen und äußerst lückenhaft.

Hans-Peter Piepho, Ostfildern

Biologische Funktionen

„die kinderfrage: Warum kriegen Frauen ein Kind und nicht Männer?“,

wochentaz vom 17. 1. bis 23. 1. 26

„Thomas Beatie aus den USA zum Beispiel ist trans. Bei seiner Geburt haben Ärz­t*in­nen gesagt: Das ist ein Mädchen. Er hat dann aber gemerkt, dass das gar nicht stimmt. Durch Medikamente hat Thomas Beatie zum Beispiel einen Bart bekommen. […] So konnte er 2008 ein Kind bekommen. Wegen Menschen wie ihm stimmt der Satz: Auch Männer können Babys kriegen“, schreibt die taz.

Nein, er stimmt nicht, weil, wie ihr zu Beginn selbst schreibt, „Frauen und Mädchen haben eine Gebärmutter, Jungen und Männer nicht. Das ist bei allen Säugetieren so.“ Daher ist Thomas nach wie vor biologisch eine Frau und es ist nicht so, dass auf einmal Männer auch Kinder bekommen können. Ihr widersprecht euch also selbst. Man kann Namen, Aussehen, rechtlichen Status etc. ändern, aber nicht die biologischen Voraussetzungen für bestimmte Körperfunktionen. Meine Identifikation ändert nichts daran, wie mein Körper biologisch funktioniert.

„Auch in der Tierwelt müssen nicht immer die Weibchen die Gebärenden sein. Bei den Seepferdchen zum Beispiel tragen die männlichen Tiere die Babys in einer Tasche an ihrem Bauch.“

Beim Seepferdchen bleibt das Tier, das die Eier produziert, eindeutig das Weibchen. Das Männchen produziert weiterhin Spermien. Die biologische Geschlechterdefinition wird also nicht aufgehoben. Das Männchen trägt zwar die befruchteten Eier in einer Bruttasche aus, es wird aber nicht schwanger. Es übernimmt einfach nur Brutpflege. A. Diers

Geld sinnvoll investieren

„Hessens Landesbedienstete fahren weniger Auto“,

wochentaz vom 10. 1. bis 16. 1. 26

Dass der Versuch aus Hessen mit dem kostenlosen Ticket zur Abschaffung von Privat-Pkws geführt hat, ist erfreulich. Wenn man dadurch zu dem Schluss kommen sollte, kostenfreier Nahverkehr ist die Lösung, liegt man meines Erachtens falsch. Eine breite Einführung halte ich aus zwei Gründen für falsch: 1. Mobilität kostet Ressourcen. Für deren Nutzung sollten wir einen leistbaren, fairen Preis zahlen. 2. Das Geld sollte besser in ein ausreichend enges Netz, enge Takte und Zuverlässigkeit investiert werden. Was hilft mir ein kostenfreies Ticket, wenn ich damit nicht an den gewünschten Ort komme? Mit dem Deutschlandticket haben wir bereits ein sehr attraktives Angebot: mit 63 Euro ist es im Vergleich zu einem Privat-Pkw ein extrem guter Deal. Ziel muss also Ausbau und Verlässlichkeit des ÖPNV sein. Eine gute Infrastruktur für Fuß- und Radverkehr wäre billig und würde zusätzlich helfen. Thomas Schwerdtner, Nürnberg

Zuversicht und Hoffnung

Was Intimes, fast wie ein Geheimnis, aber warum?

wochentaz vom 17. 1. bis 23. 1. 26

Sehr geehrte, liebe Frau Seddig!Ich lese alle Ihre Kolumnen gern und meine immer wieder, Ihre menschenfreundliche Haltung in den Beobachtungen zu erkennen. Der persönliche Text hat mich sehr berührt, nicht nur, was Ihre eigene Situation angeht, sondern auch Ihren Umgang damit und Ihren Blick auf die Frauen, die Ihre Erkrankung teilen. Wie Sie die Wärme der Menschen im Krankenhaus aufnehmen, setzt der sonstigen Distanz und Kühle unserer Zeit ein Stück Zuversicht und Hoffnung entgegen.

Barbara Groth, Hamburg

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