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wortwechselBeamte leisten ihren Dienst zuverlässig

„Bitte kein Beamtenbashing!“ wünschen sich die Leser. Und Tierwohl bei geretteten Hühnern ja, aber nur, solange es sinnvoll ist

Beamtenbashing der schlichteren Art in der taz, mit etlichen Halbwahrheiten und wenig überzeugenden Zahlenspielereien? Foto: FPG/Archive Photos/getty images

Falsche Recherche

„Ohne Beamtentum ginge es besser“,

wochentaz vom 13. 12. bis 19. 12. 25

Ich bin selbst Beamter der ehemaligen Deutschen Bundespost und bin traurig über Ihre sehr einseitige Berichterstattung über das Beamtentum. Ich habe als fertiger Diplomingenieur der Elektrotechnik bei der Deutschen Bundespost angefangen. Im Gegensatz zu den Juristen musste ich eine weitere Ausbildung mit anschließender Staatsprüfung machen. In dieser Zeit konnten meine Freunde, egal ob studiert oder nicht, bereits Geld verdienen, Familie gründen und Häuser bauen. Von vielen wurde ich belächelt und bedauert. Später, als ich in Pension gegangen bin, begann dann der Neid, ich möchte sogar sagen die Missgunst (zumindest wenn ich den Artikel Ihres Kommentarschreibers betrachte).

Immer wenn es der Allgemeinheit plötzlich schlechter geht, muss man auf die Beamten kommen. Insbesondere ist es ärgerlich, wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht! Die vom Autor angesprochenen Vorteile hat kein Beamter in diesem Umfang. Teile sind richtig, aber der überwiegende Anteil stimmt nicht. Deshalb noch mal: Ich finde es traurig, dass eine derartige Stimmungsmache aufgrund falscher Recherche auch als Kommentar in ihrer Zeitung gebracht wird. Martin Rauh

Zuverlässiger Dienst

„Ohne Beamtentum ginge es besser“,

wochentaz vom 13. 12. bis 19. 12. 25

Ohne Beamtentum ginge es besser? Das kann man gut an der Deutschen Bahn AG sehen. Die Beamten aus der vormalig staatlichen Deutschen Bundesbahn sind weg. Unpünktlichkeit, Zugausfälle, wochenlang Lokführerstreiks und verrottete Gleisanlagen prägen heute das Bild. Zuverlässig sind die hohen Managergehälter. Zuverlässigkeit ist aber der Kern des besonderen Treueverhältnisses der Beamten. Die Beamten leisten ihren Dienst zuverlässig, und ebenso zuverlässig versorgt der Dienstherr (Bund oder Land) die Beamten. Diese Dienstleistungen sind nicht profitabel, weshalb sie der Staat zum Wohl der Bürger organisiert und mit Steuergeld finanziert. Lediglich die Post hatte als Staatsbetrieb Gewinne eingefahren. Deren private Nachfolger (DHL, Telekom) sind heute Großkonzerne, die Zuverlässigkeit ihrer Dienstleistungen – na ja.

Der „jungen Polizeimeisterin“ und der ein paar Jahre älteren jungen Studienrätin würde man es natürlich gönnen, dass sie wie die Meisterin in der Metallindustrie „schnell 5.000 Euro“ erreichen. Dazu brauchte der Staat mehr Einnahmen. Diese nur bei höheren Beamten abzuzwacken, ist als Idee vielleicht populär, aber nicht überzeugend. Man könnte ja generell höhere Einkommen stärker besteuern – oh, ein Tabu.

Dass der Gehaltsunterschied zwischen der Metallfacharbeiterin und dem oberen Management ihres Betriebs fairer sei als die entsprechende Relation im Beamtenbesoldungssystem, ist eher unwahrscheinlich. „Aus dem Beamtenverhältnis befreit, „könnten Polizisten durch … Streiks und mit Gewerkschaften im Rücken für ein deutlich besseres, faires Einkommen kämpfen“. Ja? Polizeistreik am Wochenende, wenn all die Fußballspiele sind? Lehrer nur noch als Angestellte einzustellen, haben nur ein paar Bundesländer praktiziert, Berlin vorneweg. Was ist falsch daran, dass junge Lehrer lieber dort arbeiten, wo sie bessere Arbeitsbedingungen haben? Also insgesamt Beamtenba­shing der schlichteren Art, mit etlichen Halbwahrheiten und wenig überzeugenden Zahlspielereien. Winfried Klingelhöfer

Sinnvolles Retten

„Ein zweites Leben für Rupfi“,

wochentaz vom 20. 12. bis 26. 12. 25

Im Frühjahr 2022 bekamen wir 8 Hühner von Rettet das Huhn e. V. Genauer gesagt 7 Hühner, denn das 8. wurde erst mal operiert und uns dann 4 Wochen später vorbeigebracht. Wir waren Anfänger in Sachen Huhn, hatten enormen Aufwand betrieben mit Stallbau, Equipment etc. Der Verein vermittelte uns auch einen Hahn, den unsere Nachbarn erstaunlicherweise wohlwollend akzeptierten!

Das 8. Huhn wurde wochenlang von den anderen übelst malträtiert. Auf Nachfrage sagte die Kontaktperson vom Verein, tja, so was sei normal, und Einzelintegration immer schwierig, und da müsse das Huhn jetzt durch. Nach 6 Wochen war halbwegs Frieden eingekehrt.

Einige Wochen später bekam ein Huhn einen Legedarmvorfall (leider extrem häufig bei diesen Leistungshennen) und wurde von den anderen sofort blutig gepickt. Am Telefon wurde ich vom Verein gut beraten, was die Wundversorgung anging. Man empfahl mir, zu einer Tierärztin zu gehen, die sich mit Geflügel auskennt. Ich entschied, dass es absurd sei, dieses ausgemergelte, blutige arme Huhn mit Antibiose und OP zu behandeln, dann muss es separiert und gepflegt, dann wieder integriert werden und dann geht’s weiter mit dem nächsten Huhn (die Lebenserwartung ist nicht hoch bei diesen armen Eierlegemaschinen) …

Wie soll ich das zeitlich, finanziell und emotional schaffen?? Stattdessen fand ich am selben Tag ein älteres bäuerliches nettes Ehepaar, das das kranke Huhn gnädig erlöste und in den Suppentopf beförderte. Leider rief mich die Kontaktperson vom Verein am nächsten Tag an, um sich nach dem kranken Huhn zu erkundigen und leider erzählte ich die Wahrheit.

Eine Woche später fingen sie die 7 Hühner und den Hahn ein und fuhren weg. Durch das Tötenlassen des Huhns hatte ich wohl den Vertrag gebrochen. Im anschließenden E-Mail-Verkehr mit dem Vorstand kam raus: ich bin Spezietist, der Verein ist Antispezietistisch. Der Vorstand fragte mich: „Wenn dein Hund krank ist, ertränkst du den dann?“

Das sind Extremisten, die jede Menge Tierleid (OPs, Separation, Isolation, Antibiotika) hinnehmen, Hauptsache, das Herz schlägt weiter. Ich habe eine andere Auffassung von Tierschutz! Bei halbtoten Industrietieren herumzuoperieren, um deren Leben um wenige Monate zu verlängern, halte ich für wahnhaft. So viel Leid und Umweltbelastung für ein minimal verlängertes Leben. Lotte Limper, Zülpich

Meinungsaustausch

„Impfen ist die neue Zärtlichkeit der Völker“, wochentaz vom 13. 12. bis 19. 12. 25

Mit Erstaunen lese ich diesen Artikel in einer Zeitung, die ich bisher für ein inklusives Medium gehalten habe. Inklusiv in dem Sinne, Meinungen klar zu äußern, ohne andere Meinungen und anderes Verhalten abzuwerten. Die spaltenden Äußerungen verfehlter Politik in den Kernzeiten der Pandemie kann ich bedingt nachvollziehen – aber im Jahr 2025 wieder die freie Entscheidung von Menschen gegen eine Impfung als Beispiel für eine verrohende Gesellschaft zu bezeichnen, passt für mich nicht in den Kontext eines mitfühlenden Meinungsaustausches.

Ich würde mir für die Zukunft einen wertschätzenderen Austausch – gerade zu diesem stark spaltenden Thema – wünschen. Robert Bade

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