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wortwechselDer Mensch ist keine Maschine

Das menschliche Gehirn ist kein programmierbarer Computer, jeder ist für sein Handeln verantwortlich. Apropos Technik: Besser sind eigene Lösungen als teure US-Software

„Die digitale Abhängigkeit durchbrechen“: Eine Keynote-Präsentation auf dem Meta-Campus Foto: Jason Henry/NYT/Redux/laif

Lieber eigene Lösungen

„Die digitale Abhängigkeit jetzt durchbrechen“,

wochentaz vom 22.–27. 11. 25

Die Analyse von Barbara Junge bringt es treffend auf den Punkt. Zum einen verkauft Friedrich Merz Deutschland deutlich unter Wert, wenn er vor einer zu stürmischen Einführung einer Digitalabgabe für große Techkonzerne warnt, für die es nicht nur unter steuergerechten Aspekten sehr gute Argumente gibt. Zum anderen liegt ein großes Problem hierzulande in der Tat darin, dass gerade der öffentliche Sektor, der eigentlich eine Vorbildrolle einnehmen sollte, was das Thema Datensicherheit betrifft, häufig lieber auf fertige teure Softwarepakete aus den USA mit stetigen Lizenzabgaben setzt, anstatt eigene Lösungen voranzutreiben, die sich bei genauerem Hinsehen wie etwa über Open-Source-Code für viele Einsatzbereiche durchaus realisieren lassen. Deshalb bedarf es hier insbesondere an den politischen Schalthebeln der Macht einer besseren Digitalkompetenz, wobei nur einmal das Beispiel Palantir genannt sei, dessen Ergebnisfindung eher wie eine Blackbox ist, obwohl es zu einer der wichtigsten ethischen KI-Grundregeln zählt, dass solche Algorithmen transparent funktionieren müssen!

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

Ganz viel Lob

„verschiedene Artikel“,

wochentaz vom 22.–27. 11. 25

Vorzüglich in der Wochentaz sind die Artikel im „thema der woche“, „Was passiert mit der Rente“ und insbesondere „Gar nicht so schlecht“. Beim Ersten berichten J. Kalarickal, S. am Orde und S. Reinecke wunderbar kurz & bündig und übersichtlich über die aktuellen Begrifflichkeiten der gesetzlichen Rente und den diesbezüglich bevorstehenden Gesetzentwurf. Beim Zweiten argumentiert S. Reinecke kompetent, realitätsnah, abwägend, überzeugend und damit glänzend für das Beibehalten des deutschen Rentensystems aus Pflichtbeiträgen der Werktätigen plus staatlichen Haushaltszuschüssen gegen drängende neoliberale „Verführungen“ mittels Spekulationen auf dem Kapitalmarkt. – Prima! Aus Seite 2 vermittelt der Leitartikel von B. Junge „Die digitale Abhängigkeit von US-BigTech durchbrechen – jetzt“ eine blitzgescheite Bestandsaufnahme der gegenwärtigen unseligen Verflechtungen auf diesem „lebensbestimmenden“ Gebiet in Deutschland. Sie empfiehlt vielmehr Open-Source-Lösungen zu suchen und anzuwenden. Diese Chefredakteurin äußert sich eher sparsam in der taz, wenn, aber dann in jedem Fall nachhaltig. Frau Junge ist m.E. ein richtiger doldis (schwedisch für einen Schatz der im Verborgenen wirkt).

Albert Reinhardt, Stralsund

Palästinensische Opfer nicht vergessen

„Ein Albtraum, der immer noch im Körper steckt“,

wochentaz vom 22.–27. 11. 25

In ihrem Kommentar beklagt Frau Zin­gher nicht zum ersten Mal, aber zu Recht das Schicksal der israelischen Opfer des Palästina-Israel-Krieges, das in ihrer Traumatisierung noch lange nachwirken wird. Auch viele israelische Soldaten, die im Gazastreifen und in der Westbank eingesetzt wurden, werden die erlebten Kriegs­gräuel als Traumata weiter verfolgen.

Frau Zingher vergisst aber die ­schrecklichen Erlebnisse der überlebenden, weitaus zahlreicheren palästinensischen Opfer dieses Konflikts. Für sie ist selbst das physische Leiden noch nicht beendet. Die psychischen Nachwirkungen werden wie in Israel noch Generationen nachwirken. Frau Zinghers Klage wäre weitaus glaubwürdiger, wenn sie sich nicht nur auf eine der Opfergruppen beschränken würde.

Bernd Inhester, Göttingen

Keine Maschine

„Unser Gehirn belohnt persönlichen Kontakt“,

wochentaz vom 22.–27. 11. 25

Sosehr diese Aussage stimmt – wie sie begründet wird, ist enttäuschend. Hier wird das menschliche Gehirn als eine Art programmierbarer Computer begriffen, der, was Empathie angeht, weitgehend automatisch funktioniert. Und wenn man einen Neonazi mit Amphetaminen füttert, wird er plötzlich empathisch, ohne dass er es merkt, weil ihn seine Glückshormone dazu veranlassen. Derartige Ansätze sind selbst in der Informatik inzwischen als unbrauchbar erkannt worden. Denn der Mensch wird so in seinem Erleben und Handeln als mechanischer Apparat verstanden, dessen Verhalten letztlich automatisch/biologisch festgelegt und chemisch beeinflussbar funktioniert. Zu unseren besonderen charakteristischen Fähigkeiten gehört es, dass wir nicht dazu gezwungen sind, immer nur Automatismen und zwangsweisen Vorgaben zu folgen: Wir verfügen über ein Bewusstsein, das es uns erlaubt, unser Handeln und Erleben zu reflektieren, zu beurteilen, zu kritisieren und zu verändern. Das unterscheidet uns von Computern und KIs, aber auch von Tieren, die diese Fähigkeit allenfalls eingeschränkt besitzen. Und weil alle Menschen über ein Bewusstsein verfügen, müssen wir uns für unser Handeln auch kommunikativ verantworten. Ich finde, dass die taz solche biologistische reduzierte Theorien nicht kritiklos referieren sollte.

Friedrich Krotz, Hamburg

US-Plan zur Ukraine

„Dann nicht mehr unser Bündnis­partner“,

onlinetaz vom 23. 11. 25

Was heißt „Die Ukraine nicht alleine lassen!“? Rubio und Witkoff sind in Genf. Wir sind Zuschauer eines perfiden Verwirrspiels. Die Wahrheit kennen wir nicht. Trump lenkt von den Epstein-Files ab, Putin will das Beste für sich herausschinden, Selenskyj fürchtet den Korruptionsskandal, das ukrainische Volk ist nach fast vier Jahren Krieg zermürbt und fassungslos. Ob dieses von Putin überfallene und all die Jahre terrorisierte Volk die Besserwisserei eines USA-Freundes Gabriel, eines EU-Jonglierers Weber und eines militarisierten Hofreiters hören will? Einzig Frau Haßelmann nehme ich die Sorge um die Ukraine wirklich ab.

Roswitha Halverscheid, St.-Léger-sur-Vouzance

„Tatort“ am Sonntag

„Wieso die Stuttgarter mal ein Sabbatical brauchen“,

taz vom 23. 11. 25

Sie haben recht. Schlechter als die letzten drei „Tatorte“ geht nicht. Lustloses Genuschel, immer betroffene Mienen, ewig was zum Essen und Trinken in der Hand und immer wieder unterm Flatterband durchlaufen ist schon Scheiße genug. Aber, der Knaller am Drehbuch ist: Immer haben die Akteure ihre privaten Probleme und immer sind Angehörige ins Geschehen verwickelt. Schlimm.

Axel Hell, Seligenstadt

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