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wortwechselGenerationswechsel und demografische Krise

In der Arbeitswelt wird es nicht leichter für die nächste Generation. Die linke Haltung von Mille, Sänger der Band Kreator, kommt gut bei der Leserschaft an

Miland „Mille“ Petrozza ist Sänger und Gitarrist der Metal-Band Kreator und Humanist Foto: Steve Braun

Linken-Bashing der Zeit

„Vom bürgerlichen Drang, über Mitte und Norm zu herrschen“,

wochentaz vom 6. 9.–12. 9. 25

Bravo, Ulrike Winkelmann. Schön und erfrischend, wie Du die Sicht der Dinge dieser Dumpfbacken, die meinen, sie wären Intellektuelle, klarstellst. Leider ist deren Gerede nicht nur einfältig, sondern eben brandgefährlich, weil sie den alten und neuen Nazis die Bälle zuspielen. Eventuell träumen Jessen & Co. ja davon, mit Musk und ein paar anderen Durchgeknallten den Mars zu besiedeln, falls es auf dem Planeten Erde nicht mehr so richtig klappt. Wäre toll, denn auf solche Typen können wir als Teil der Erde problem- und ersatzlos verzichten.

In diesem Sinne alles Gute und macht weiter so. Bernd Kaiser, München

Interview Kreator

„Im Herzen bin ich Humanist“,

wochentaz vom 6. 9.–12. 9. 25

Mit großem Interesse las ich das Krea­tor-Interview mit deren Sänger Mille Petrozza. Endlich würdigt ihr eines der „Sprachrohre“einer der bekanntesten (Thrash-)Metal-Bands Deutschlands. Ich bin großer Fan von Kreator und das auch, was ihre linkspolitischen Aussagen betrifft, denen ich voll und ganz zustimme. Dass Mille und Kreator nicht nur musikalisch etwas zu sagen haben, beweist auch ­besagtes Interview. (Es ging ja unter ­anderem auch um eine politische Haltung und Solidarität neben Yoga und Ruhrpott.)

Als seriöser und gebildeter Musikfan oder als Künstler sollte man eine reflektierte, sozialkritische und vielleicht auch linkspolitische Haltung vertreten, denn faschistische Strömungen lauern überall. Deshalb Augen auf! Siehe die US-­amerikanische Historikern Dagmar Herzog, welche schreibt, eine antifaschistische Grundhaltung sei notwendig. Für mich als ehemaliger Kriegsdienstverweigerer und Zivildienstleistender als Haltung selbstverständlich.

Jona von Wintzingerode, Pottenstein

Buch von Götz Aly

„Die Mitte machte mit“,

wochentaz vom 30. 8.–5. 9. 25

Die Buchbesprechung zu den Hinter­gründen ist sehr aufschlussreich, herzlichen Dank! Am Ende Ihres Artikels wird als „eine der Lehren, die sich aus seiner Analyse ziehen lassen“ auf Regime hingewiesen, die in ähnlicher Weise agieren und „abgebremst werden müssen“. Wer sollte sie stoppen? Die Regierungen der demokratischen Länder? Wenn Sie Rainer Mausfeld „Hybris und Nemesis“ lesen, kann es in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung keine Demokratie geben – bestenfalls eine Scheindemokratie, die sich mit Sicherheit auch heute „des Wohlwollens und des Mitmachens einer Mehrheit (ver)sichert“.

Ist nicht das Gleiche in der Coronakrise passiert, „nur“ dass man hier mit Angst die Menschen dazu gebracht hat, sie „nicht zur Ruhe und zum Nachdenken kommen zu lassen“? Auch damals konnte „Die Regierung, die Staat und Gesellschaft zusehends verschmolz, ... auf Millionen von aktiven Unterstützern …“ zählen, im Namen einer größeren Sache. Wie es geschehen konnte, liegt wohl eher im menschlichen Drang nach Einfluss und Materie, anstatt sich auf Wesentliches zu beschränken und für ein friedliches Mit­ein­ander einzustehen und sich stetig darum zu bemühen.

Man kann die Vertreibung, Enteignung und Ermordung von Millionen jüdischer Menschen nicht mit den Schäden vergleichen, die die Coronakrise bewirkt hat. Von der Struktur lassen sich Parallelen jedoch insofern ziehen, dass sich die Mehrheit unhinterfragt auch diesmal wieder hat vom Staat vor den Karren spannen lassen. Auf aktuell totalitäre Regime schauen mag wichtig sein, es ersetzt aber nicht das kritische und mutige Hinterfragen jedes und jeder Einzelnen, vor allem der eigenen Fehler, um das eigene Handeln entsprechend auszurichten.

Doreen Hartung, Bad Königshofen

Die Boomer

„Menno, habt Ihr’s gut!“, taz vom 5. 9. 25

Ich finde, der Artikel malt ein ziemlich einseitiges Bild des Generationenkonflikts und klingt manchmal eher wie eine Verteidigung der Babyboomer als ein ehrlicher Blick auf die Herausforderungen aller Generationen.

Zum Beispiel das Umlageverfahren: Es wurde schon 1957 eingeführt – aber für die Babyboomer war es jahrzehntelang ein ziemlich gutes Geschäft, weil es damals viel weniger Rentner im Verhältnis zu Erwerbstätigen gab. Dass sich das irgendwann ändern wird, war schon vor 30 Jahren klar und hätte unter Kohl oder Merkel angegangen werden können. Die heutige Situation ist also kein Schicksal, sondern eine Folge fehlender Weitsicht. Sich jetzt als Opfer eines Systems dar­zustellen, von dem man lange profitiert hat, wirkt da irgendwie unglaubwürdig.

Dann wird behauptet, der Arbeitsmarkt sei leer und voller Chancen für Generation Y und Z. Ja, es gibt offene Stellen. Aber zu viele. Ein „Generationswechsel“, in dem alte Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen und neue nachkommen, wäre ja kein Problem. Hier aber haben wir eine demografische Krise. Nicht alle Stellen können besetzt werden, Arbeitskraft verteuert sich und Produkte werden teurer. Die steigenden Lebenshaltungskosten und die Inflation machen vielen jungen Leuten das Leben schwer. Von der Vermögensansammlung in der Rentengeneration und dem mangelnden Kapitalrückfluss ganz zu schweigen. Die Vorwürfe, Gen Y und Z würden Arbeitgeber „ghosten“ oder hätten zu hohe Ansprüche, sind ziemlich unfair.

Die Autorin kritisiert, dass man früher mit Kind keine Arbeit fand. Heutzutage findet man trotz Arbeit keine finanzielle Möglichkeit ein Kind zu erhalten. Ist das eine besser als das andere?

Zum Schluss heißt es, man solle zusammenhalten, weil wir alle im selben Boot sitzen. Schön gesagt, aber gerade wer vorher so viele Klischees bedient und kaum Selbstkritik zeigt, wirkt da nicht gerade glaubwürdig! Wir sitzen wirklich alle im selben Boot – aber wer das Boot steuert, sollte auch Verantwortung übernehmen und nicht nur mit dem Finger auf die anderen zeigen, nachdem man es an den Rand des Wasserfalls manövriert hat.

Leon Kober, Hamburg

Rassismus der AfD

„Die Fantasie vom schönen Volk“,

wochentaz vom 6. 9.–12. 9. 25

Frau Herzogs Zuspitzung finde ich beachtenswert: „Faschismus funktioniert als Erlaubnisgeber (genial!): Man darf gemein sein und überheblich.“

Nur wenn die Bevölkerung aus hassenden, unsolidarischen Menschen ohne jede Empathie besteht, können schrankenlose Ausbeutung und hemmungslose Bereicherung wirklich gelingen. Die AfD führt nur vordergründig einen Kulturkampf, in Wahrheit ist sie der Büttel des Kapitals.

Frank Peter, Amöneburg

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