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Georg Stefan Troller gestorben

Was für ein langes, prall gefülltes Leben. Zu seinem 100. Geburtstag hat Hanno Rehlinger Georg Stefan Troller für die taz interviewt. Erste Frage: „Herr Troller, Sie haben in Interviews immer wieder gesagt, Sie seien nie Sie selbst gewesen. Was haben Sie versteckt?“ Erste Antwort: „Wahnsinnige Komplexe! Erstens, weil ich so hässlich war als Kind, und zweitens, weil ich Jude war.“ Ilja Richter hatte bereits am Tag zuvor eine Hommage auf ihn in der taz geschrieben. Zum 101. Geburtstag hat Marc Ortmann ihn für die taz in seiner Pariser Dachgeschosswohnung im 7. Arrondissement besucht. 1921 in Wien geboren. Vor den Nazis erst nach Paris, dann weiter in die USA geflohen. Als US-Soldat beteiligt an der Befreiung von Dachau. Nach dem Krieg erst Hunderte Radiointerviews, dann die WDR-Sendung „Pariser Journal“, die ZDF-Reihe „Personenbeschreibung“ und viele Porträtfilme, legendär etwa die über Peter Handke und Thomas Brasch. Außerdem zwei Dutzend Bücher, unlängst, 2022 erschienen, „Der Unnötige“ im Verbrecher Verlag. Bis zuletzt hat er noch eine Kolumne in der Literarischen Welt geschrieben. Mit seinen Interviews, so Marc Othmann in der taz, „begann ein langer Prozess der Selbstheilung, bei dem der schüchterne und menschenscheue Troller lernen musste, wie man bei Menschen ankommt. Allein, nur das Aufnahmegerät unter den Arm geklemmt, musste er Situationen herstellen, in denen Interviewte, die häufig unbeeindruckt waren, für ihn Interesse gewannen. Dafür setzte er seine Fantasie ein. Der junge Troller begann rücksichtslos zu fragen, zu philosophieren und auch zu erfinden, um die Gesprächspartner zu Geständnissen zu bringen.“ Nun ist Georg Stefan Troller im Alter von 103 Jahren gestorben.

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