taz panterpreis Verleihung 2026 : „Danke, Pressefreiheit, dass es dich gibt!“
Der taz panterpreis wurde im Rahmen der Hamburger Woche der Pressefreiheit an die Gefangenenzeitung der lichtblick und den freien Sender Radio CORAX verliehen.
Foto: Moritz Martin
taz panterstiftung | Ein Nominierter, der von zwei Vollzugsbeamten zur Preisverleihung begleitet wird: von Berlin nach Hamburg und pünktlich nach Ende der Liveaufzeichnung wieder zurück in die JVA Tegel. Für den taz panterpreis und die Zuschauer:innen ein Novum. Denn das Leben und die Perspektiven von Gefangenen sind in der Medienlandschaft unterrepräsentiert, wie panterpreis-Jurymitglied und Politikinfluencer Hannes Kreschel betonte.
Ferdi Balci ist einer der zwei Hauptverantwortlichen der Gefangenenzeitung der lichtblick. Das Leid der Inhaftierten, ihre Sichtweise und ihre gesellschaftliche Teilhabe thematisiert die Redaktion bereits seit 1968 – und das vollkommen unzensiert. Ein herausragendes Merkmal, ging es an diesem Abend im Museum der Arbeit im Rahmen der Hamburger Woche der Pressefreiheit doch dezidiert um Pressefreiheit und ihre Bedrohungen.
Unter dem Motto „Unabhängig, kritisch, resilient: Medien von unten“ hatte die taz panterstiftung seiben Medienprojekte aus 60 Bewerbungen nominiert. Verliehen wurden schließlich ein Jurypreis und ein Leser:innenpreis.
Wachsender Druck auf die Pressefreiheit
Wie Gemma Terés Arilla, Geschäftsleiterin der panterstiftung, während der Begrüßung hervorhob, bedeute die Auswahl der diesjährigen Nominierten, jenen Projekten Aufmerksamkeit zu geben, die konkrete Antworten auf gesellschaftliche Krisen lieferten. So würden sie auch dem wachsenden Druck trotzen, der auf der Pressefreiheit laste. Unabhängige Medienprojekte seien lebendig, kreativ und unverzichtbar für unsere Demokratie, betonte Terés Arilla.
Für die Keynote-Speakerin und Publizistin Silke Burmester beginnt Pressefreiheit schlicht bei der Möglichkeit für alle, sich zu äußern. „Medien von unten“ nähmen ein erhebliches finanzielles Risiko auf sich, erhielten im Gegenzug aber Publikationsfreiheit, um der Welt ein unverzichtbares Angebot zu machen.
Foto: Moritz Martin
Wie vielfältig dieses Angebot ist, verdeutlichte die Vorstellung der Projekte durch den langjährigen panterpreis-Moderator und taz-Redakteur Gereon Asmuth. Der Lokal-Newsletter RUMS aus Münster gründete sich 2020 als Gegengewicht zum konservativen Medienmonopol der Stadt. Um den Lokaljournalismus zu erhalten, müsse er neu gedacht werden, erklärte Geschäftsführer Götz Grommek – auch wenn RUMS trotz Abomodell noch keine schwarzen Zahlen schreibe.
Auch die Redaktion der UnAufgefordert, einer der ältesten Studierendenzeitungen an der HU Berlin, stemmt ihre Recherchen zu gesellschaftlichen Themen rein ehrenamtlich, wie Chefredaktionsmitglied Andreas Stein berichtete. Das Medienprojekt nah:dran der Jugendpresse Deutschland e. V., das Jugendlichen in strukturschwachen Räumen eine Stimme gibt, blickt wegen auslaufender Fördergelder in eine ungewisse Zukunft.
Der AfD ein Dorn im Auge
Eine oft ungesehene Perspektive macht auch das Projekt radio connection öffentlich, das wöchentlich direkt aus einer Geflüchtetenunterkunft in Berlin-Marzahn sendet, während sich die drei kostenlosen Kulturmagazine von Berndt-Media durch anstehende Kulturkürzungen bedroht sehen.
Die Laudator:innen, Lokaljournalist Jan Scheper und Schriftstellerin Elke Schmitter, waren sich einig, dass es darum gehe, Geschichten sichtbar zu machen – gerade für jene ohne Lobby. Ferdi Balci saß passenderweise vor einer antiken Bühnenlampe, als er sich für den Jurypreis für der lichtblick bedankte. Er sagte mit einem Lächeln, dass die Auszeichnung das Licht der Zeitung noch heller nach außen strahlen lasse.
Den Leser:innenpreis nahm Johanna Fischer für Radio Corax aus Halle entgegen. Das seit 2000 basisdemokratisch organisierte freie Radio bietet Raum für Queerfeminismus, Jugend- und migrantische Themen. Weil das Projekt der AfD ein Dorn im Auge ist, bangt das Team angesichts möglicher politischer Mehrheiten in Sachsen-Anhalt um seine Existenz, weshalb der mit 5.000 Euro dotierte Preis etwas Rückhalt bietet.
Elke Schmitter forderte abschließend eindringlich, dass es diesem Journalismus besser gehen sollte, worauf Moderator Gereon Asmuth den Abend mit den ungewöhnlichen Dankesworten schloss: „Ich danke der Pressefreiheit, dass es dich gibt.“