taz-lab-Kolumne weiter/machen #5 : Meine erste Demo
Nevio ist 17 und will die Demokratie gegen rechts verteidigen. Nichtstun ist für ihn keine Option. Er erzählt von seiner ersten Demo in Ulm.
tazlab | Euphorie. Das ist es, was ich auf meiner ersten Demo zuerst gefühlt habe. Die Demo fand in Ulm unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt“ statt. Ich war überwältigt von der großen Menschenmasse, die für unsere Demokratie auf die Straße geht. Für mich bedeutete diese Demo auch, ein Zeichen zu setzen und weiterzumachen. Es erfüllt mich mit Hoffnung, dass unsere Demokratie von so vielen gegen die Demokratiefeinde wehrhaft geschützt wird. Außerdem war ich sehr froh darüber, dass es keine Gegendemonstration gab.
Besonders für junge Menschen hängt vieles von dieser Bundestagswahl ab. Da ich erst 17 bin, darf ich zwar nicht wählen, denke aber, dass ich durch meine Teilnahme an Demonstrationen auch einen Beitrag leisten kann. Ich kann nicht einfach zusehen, wenn rechtes Gedankengut wieder Aufwind bekommt und normalisiert wird. Besonders die Debatte am 29. Januar hat mich sprachlos gemacht, als die CDU mit der AfD paktiert hat. Aber das hat mich nur noch mehr überzeugt, meiner Stimme Gehör zu verschaffen.

■ Jedes Jahr im April geht das taz lab, der Kongress der taz über die Bühne. Live im Stream und rund um den taz Neubau in Berlin.
■ Das taz lab ist Deutschlands Kongress für Debatte, Streit und Verständigung zu den Fragen der Zeit, ausgerichtet und kuratiert von der taz.
■ Unter einem alljährlichen Oberthema diskutieren am taz-lab-Tag Menschen aus Politik, Zivilgesellschaft, Forschung, Wirtschaft, Medien und Kultur. 2025 lautet das Thema: weiter/machen – Jenseits der Empörung.
■ 2025 findet das taz lab am 26. April statt. Tickets gibt's hier.
Demokratie lebt vom Mitmachen – und genau das habe ich an diesem Tag gespürt. Doch Euphorie allein reicht nicht aus. Eine Demonstration ist ein starkes Zeichen, aber sie ist nur ein Anfang. Der eigentliche Kampf für Demokratie findet im Alltag statt: in Gesprächen mit Familie, Freunden und Mitschülern, im Widerspruch gegen Hass und Hetze, im Interesse an politischen Themen.
Es ist leicht, sich von unserer jetzigen Politik frustrieren zu lassen, aber Nichtstun ist auch keine Option. Die Demo hat mir gezeigt, dass wir viele sind. Dass unsere Generation nicht schweigt. Dass wir Verantwortung übernehmen. Ich werde nicht aufhören, meine Stimme zu erheben, mich zu engagieren, weiterzumachen. Denn Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie lebt davon, dass wir sie verteidigen. Jeden Tag. Nevio Cottone
Hier schreiben unsere Autor*innen wöchentlich über das Weiter/machen.