taz-Serie zu steigenden Energie- und Rohstoffpreisen (VI): Pasta ist den Italienern lieb und teuer

In Italien treten die Kunden tageweise in den Streik, weil ihre Nudeln zu teuer werden. Ganz verzichten können sie aber nicht. So freuen sich die Produzenten über höhere Gewinne.

Seit der Weizenpreis nach oben ging, müssen Italiener auch mehr für ihre Pasta hinlegen. Bild: dpa

ROM taz "Guck mal, ein Sonderangebot!" Voller Freude hält der junge Mann seiner Freundin ein Paket Barilla-Nudeln unter die Nase. Dann schaut er noch mal auf die Farfalle-Packung, seine Augen weiten sich voller Staunen, er lacht sarkastisch. "Haha, lustiges Angebot, 95 Cent - die kosten ja mehr als vorher!" Am Ende aber füllen die beiden dann doch ihren Korb reichlich mit Päckchen aus der zweifelhaften Sonderaktion - sie haben keine andere Wahl: Der rasant gestiegene Weizenpreis hat alle Nudelprodukte verteuert.

Energiepreise steigen, Rohstoffe sind teuer wie nie. Was Appelle von Umweltschützern nicht vermochten, schafft nun der Preisdruck: Der sparsame Umgang mit Ressourcen wird Pflicht für alle. Damit rücken wieder Technologien in den Mittelpunkt, die lange Zeit als unmodern galten. Die taz hat ihre Auslandskorrespondenten gebeten, aufzuschreiben, wie die hohen Preise für Rohstoffe und Energie den Alltag verändern - und Menschen das "Leben auf Reserve" weltweit meistern. Heute beenden wir die Serie.

An die zehn Meter Länge misst in dem Supermarkt in Rom das Pasta-Regal. Farfalle, Penne, Tortiglioni, Spaghetti, Rigatoni, die endlose Sortenvielfalt stapelt sich da. Schließlich ist Pasta der wichtigste Treibstoff der Italiener, der ihren Motor Tag für Tag am Laufen hält. Stolze 110 Kilo jährlich verputzt eine vierköpfige Familie. Statistisch isst jeder Italiener von null Jahren aufwärts bis zum Greis täglich wenigstens einen Teller Nudeln.

Jahrzehntelang war das Grundnahrungsmittel richtig billig. Eine 500-Gramm-Packung No-Name-Nudeln kostete noch vor drei Jahren 40 Cent, und die Edel-Marke De Cecco war unter 90 Cent zu haben. Jetzt aber ist De Cecco im Supermarkt um die Ecke nicht unter 1,30 Euro zu bekommen, und so gut wie alle Premiummarken haben die Ein-Euro-Schwelle überschritten; selbst die namenlosen "Billig"-Nudeln liegen bei 70 Cent.

Seit zwei Jahren kennt die Preisralley für Pasta nur noch eine Richtung: aufwärts. Schon im Jahr 2007 stöhnten die Verbraucherverbände über Zuschläge von über 20 Prozent, forderten sie im Oktober letzten Jahres die Konsumenten gar zu einem eintägigen Pastastreik auf. Doch die Aktion war ein Schlag ins Wasser. Erst vor wenigen Tagen gab das Statistische Amt Italiens bekannt, seit Sommer 2007 sei der Preis für Nudeln aus Hartweizengrieß um weitere 30 Prozent gestiegen.

Doch die Nudelfabrikanten sehen sich selbst als Opfer. Allein der hohe Weizenpreis sei Grund der Teuerungen, behauptet ihr Verband. Und Guido Barilla, Mitglied der berühmten Pastadynastie, nannte in einem Interview zwei Hauptschuldige: den Klimawandel und George Bush. Die Klimaveränderungen hätten, so Barilla, zu schlechten Ernten geführt, und US-Präsident Bush habe mit seiner Unterstützung von Biotreibstoffen für eine Verknappung des Angebots gesorgt, weil die Bauern nun lieber Mais als Weizen anbauten. "Schwachsinnig" findet Barilla diese Politik: "Man kann doch nicht heilige Rohstoffe dazu nutzen, den Durst von Geländewagen zu stillen!"

Seit Frühjahr 2008 aber fallen die Weizenpreise wieder, für 2008/2009 wird weltweit eine Rekordernte erwartet. Auf die Pastapreise in den Geschäften hat diese Entwicklung bisher nicht durchgeschlagen. Deshalb ist es am 18. September wieder so weit: Die Verbraucherverbände mobilisieren zu einem neuen eintägigen Einkaufsboykott. Doch die Nudelproduzenten schreckt das nicht. Der Pastaverbrauch im Land nämlich ist trotz der happigen Preissteigerungen stabil geblieben - ohne Nudeln geht halt nichts in Italiens Haushalten.

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