taz Salon Bremen 24.04.

Diktatoren als „Partner“

Europa kauft halb Afrika als Grenzschützer ein. Wer nicht mitspielt, soll bestraft werden.

Einsatzkräfte der sudanesischen Grenzpolizei auf der Suche nach illegalen Flüchtlingen an der Grenze zu Eritrea Bild: dpa

Nachdem 2015 die Lage auf der Balkanroute eskaliert war, begannen europäische Diplomaten einen bis heute andauernden Verhandlungsmarathon mit den Staaten südlich des Mittelmeers. Mehrere Milliarden Euro bietet die EU für die Koalition der Willigen in Sachen Grenzschutz. Wer nicht mitmacht, soll hingegen bestraft werden. Entwicklungshilfe wird umgewidmet, konzentriert sich auf Staaten, die wichtig sind beim Kampf gegen die Schlepper.

Die EU liefert Ausrüstung, europäische Polizisten und Soldaten werden in immer mehr Länder Afrikas geschickt, um dort den Grenzschutz zu perfektionieren. Auch Diktaturen wie Sudan und Eritrea werden so zu "Partnern" Europas, denn sie sind wichtig, um Fluchtrouten zu unterbrechen.

Europäische Sicherheits- und Rüstungskonzerne sind erfreut: Für sie ist das neue Geschäft mit der Grenztechnologie ein riesiger neuer Absatzmarkt. Weniger erfreut ist die Afrikanische Union: Ihre Pläne von einem Kontinent der Freizügigkeit ähnlich dem Schengen-Modell sind mit den Vorstellungen der EU unvereinbar. Doch gegen die Macht, mit der die EU ihre Migrationspolitik in Afrika durchsetzt, hat sie kaum eine Chance.

Ein Gespräch mit Christian Jakob und Dorette Führer.

Christian Jakob, taz-Redakteur für Reportage & Recherche und Autor des Buches „Diktatoren als Türsteher - Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert“

Dorette Führer, Aktivistin bei Afrique Europe Interact

wann: 24. April 2018, 19 Uhr

wo: KiOtO im Kulturzentrum Lagerhaus, Schildstr. 12-19, Bremen

Eintritt frei