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taz Genossenschaftsversammlung 2026 Eine emotionale Geschichte

Tränen, Trotz und Zukunftsfragen: Bei der Genoversammlung ging es um den Rechtsruck, Widerstand, Künstliche Intelligenz – und darum, wie Demokratie von Vielen getragen werden kann.

taz Genossenschaft | „Demokratie. Getragen von vielen.” – so stand es groß auf dem Banner auf der Bühne des Festsaal Kreuzberg. Das Motto der diesjährigen Mitgliederversammlung der taz Genossenschaft sollten keine leeren Worte bleiben. Im Gegenteil, es zog sich durch den Samstag wie ein roter Faden, war auf, vor und abseits der Bühne präsent.

Der erste Teil der Versammlung war, neben den üblichen formalen Tagesordnungspunkten und Abstimmungen, geprägt von der eindeutigen Wahl von Konny Gellenbeck in das Kuratorium der taz panterstiftung – und von einem Abschied: seit den Anfängen der taz hat Bernhard Brugger das Bilanz- und Steuerwesen der taz betreute und „die Zahlen besser gemacht”, wie man in den emotionalen Abschiedsreden von Thomas Purps, Kalle Ruch und Aline Lüllmann erfuhr. Leider konnte Bernhard Brugger selbst nur per Video zugeschaltet dabei sein. Aber auch bei ihm flossen kurz die Tränen, als er auf die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt zu sprechen kam. Und bezüglich der taz? Das hätte er, wie er selbst sagt, nach dem „Tunix-Kongress damals, nie gedacht, dass da was draus wird“.

Tränen kamen wenig später auch bei Geno-Aufsichtsrätin Astrid Deilmann hoch, die zum Abschluss des formalen Teils eine Keynote hielt. Thema: „Demokratie in Gefahr. Von Tech Bros, KI und Digitalem Faschismus.“

Den Blick nach vorne richten

Auch der öffentliche Teil nach der Mittagspause war geprägt von der Angst, aber auch der Wut und der Ohnmacht, die viele in Angesicht der Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen empfinden. Was tun, wenn um einen herum immer mehr Leute nach rechtsaußen abdriften, wenn die Demokratie in Gefahr ist? Darüber spricht man doch am besten mit denjenigen, die täglich damit konfrontiert sind und sich das nicht gefallen lassen wollen. Auf dem Podium „Wetten, dass Widerstand?“ kamen starke Worte von den Aktivist:innen Max Schneller aus Sachsen-Anhalt und Rachel Hanf aus Mecklenburg-Vorpommern. „Die Zivilgesellschaft in Ost-Deutschland wird nicht verschwinden nach dem Sieg der AfD“, sagte Max Schneller und erntete nicht nur dafür viel Zwischenapplaus.

Aber auch die Zukunft des Journalismus sollte diskutiert werden, denn auch hier bahnen sich schließlich viele Veränderungen an: KI, Social Media, die Weiterentwicklung von wochentaz und News App ein Jahr nach der Seitenwende. Genauso wie in der Genossenschaft selbst, die mit Ferenc Földesi einen neuen Leiter hat, der sich und seine Ziele und Projekte bei der Versammlung zum ersten Mal den Genossen vorstellen konnte. Als ganz am Ende noch das neueste Nachwuchsprojekt „Lokal, konstruktiv und jung“ der taz panterstiftung vorgestellt wurde, waren viele schon müde oder hungrig, der Saal leider nicht mehr ganz so gefüllt. Auch hier ging es wieder darum, wie man Menschen ins Gespräch bringt, konstruktiv berichtet, mehr Diversität in den Journalismus bringt.

Um die 400 Leute besuchten den Tag über die Veranstaltung, kamen ins Gespräch und ließen sich hoffentlich auch inspirieren – bei Diskussionen in der Kaffeepause, beim Bierchen danach, im Austausch mit den Macherinnen der feministaz, im Generationendialog oder beim neuen taz-Stammtisch-Projekt. Demokratie ist eben vielfältig.

Der Abend klang entspannt aus, einige Genossen bedauerten es, diesmal leider nicht noch das Tanzbein schwingen zu können. Dafür gab es jazzig-groovige Live-Musik vom Kreuzberger Klarinetten Kollektiv und ein paar Runden legendäres taz Hate Bingo zum Mitmachen.