taz-Au­to­r:in­nen und die Wahl: Wahlplakate! Politik! Liefert!

Es heißt doch immer, die wichtigen Entscheidungen, passieren vor der Haustür. Nix da, jedenfalls nicht in Tempelhof-Schöneberg zu Berlin.

SPD Kanditatinnen formen mit den Händen ein Herzsymbol

Die SPD hat Herz: schlauer wird man aus dem Wahlplakat nicht Foto: Bielicke/Fotostand/imago

In Berlin sind dieses Jahr sechs Kreuze zu setzen: Neben dem Volksentscheid über die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne stehen Bundestag, Abgeordnetenhaus und Bezirksverordnetenversammlung zur Wahl. Während meine Wahl bei Bundestag und Abgeordnetenhaus schon lange feststeht – Die Linke –, bereitet mir die eine Stimme bei der Bezirkswahl Kopfschmerzen.

Es heißt doch immer, die wirklich wichtigen Entscheidungen, die passieren vor der Haustür. Auf kommunaler Ebene, da würde Politik erst wirklich spürbar. Ich wohne im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Hier regierte in den letzten fünf Jahren eine SPD-Bezirksbürgermeisterin, die sich ganz und gar auf eine rot-grüne Zählgemeinschaft stützte. Die SPD bewachte das Geld, die Grünen zeichneten für Ordnung, Bauen und Verkehr verantwortlich.

Wen wählen eigentlich die Leute, die für die taz arbeiten? In unserer Serie berichten Au­to­r:in­nen und Redakteure über ihre ganz persönlichen Überlegungen zur Bundestagswahl am 26. September.

Theoretisch keine schlechte Ausgangslage für progressivere Politik. Theoretisch. In der Realität mauschelte man sich aber in dem im Stadtteil Schöneberg gelegenen Rathaus – vor dem einst John F. Kennedy sprach – vor allem irgendwie durch. Stillstandsmanagement statt Gestaltung für die Zukunft.

Halbgarer Unsinn

Verkehrswende, Wohnungskrise, Klimakrise – für die Zählgemeinschaft scheinbar Themen aus einer anderen Welt. Wenn diesbezüglich überhaupt etwas passierte, war es halbgarer Unsinn. Dafür wurde das Ordnungsamt von der Leine gelassen, um gegen Hunde, Spätis und Darkrooms vorzugehen. Nach fünf rot-grünen Jahren mieft es ausgerechnet in jenem Bezirk penetrant nach Regression und Kleinbürgertum, der das Tempelhofer Feld und den Regenbogenkiez beheimatet. Grüne und SPD – keine Option.

Leider sieht es bei der Opposition ähnlich trist aus. Im harten Kontrast zur Linken auf Landesebene präsentiert sich der Schöneberger Bezirksverband der Linken als Ansammlung kleinmütiger Altlinker ohne Realitätsbezug. Derweil geben sich CDU und FDP, nicht dass die beiden eine ernsthafte Wahl wären, viel Mühe, ihren Markenkern des blanken Opportunismus zu pflegen.

Würde ich in Kreuzberg wohnen, meine Stimme ginge an die Grünen, denn Kreuzbergs Grüne haben gemacht, wofür sie gewählt wurden, und sich weder vom Geschrei der Konservativen noch von Drohkulissen großer „Investoren“ schrecken lassen. Dafür verdienen sie es in meinen Augen, wiedergewählt zu werden. Aber: Ich wohne nicht in Kreuzberg.

Wenn ich derzeit durch meinen Kiez laufe, betrachte ich die Wahlplakate zum ersten Mal intensiv. Ich fordere sie geradezu auf, mir irgendeinen Anhaltspunkt zu liefern, warum ich diese oder jene Partei erwägen sollte. Allein, die Plakate liefern so gar nicht. Ausgerechnet zu Hause bin ich so kurz vor der Wahl politisch heimatlos.

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