taz🐾lage: Patriotismus, Entschleunigung und ein spezieller Humor
In den ersten Tagen in Tallinn bekomme ich die volle Ladung Patriotismus ab. Estnische Flaggen an nahezu jedem Haus, von Werbeflächen schreit der Stolz, Teil der EU zu sein. Ungewohnt für mich, die zu Nationalflaggen eher ein zwiespältiges Verhältnis hat. Es ist Europawoche und das fulminante Finale endet am Samstag damit, dass der estnische Außenminister Margus Tsahkna auf dem Freiheitsplatz eine schmissige Rede hält und die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas, ebenfalls Estin, mit Familie in der Menge steht, um sich die Konzerte heimischer Künstler anzuhören.
Mit dem Internationalen Journalistenprogramm (IJP) darf ich bis Juni in Estland sein. Aufgenommen hat mich Postimees, eine der wichtigsten Tageszeitungen des Landes. Gedruckt erscheint die Zeitung fünf mal pro Woche. Online wird auch in englischer und russischer Sprache veröffentlicht. Die Debatten sind ähnlich wie in der taz: Haltung, investigative Recherchen und die Suche nach leichten Themen neben all der Kriegsberichterstattung. An der Solidarität mit der Ukraine lässt man hier keinen Zweifel. Auch wenn Drohnenabstürze und Kriegsfolgen täglich ein Thema sind. Dass ein erheblicher Teil der Redakteure derzeit als Reservisten am jährlichen Manöver teilnimmt, ist selbstverständlich. Nur rund 1,3 Millionen Menschen leben in Estland, ein Großteil in den Städten Tallinn und Tartu. Visit Estonia wirbt mit dem Spruch „Estland gibt Ihnen viel Raum und alle Zeit der Welt, um in Ihrem ganz eigenen Tempo zu reisen.“ Meint Entschleunigung auf höchstem Level. Auch das eher ungewohnt für mich. „Die Esten haben einen speziellen Humor“, sagt ein Bekannter dazu. Tanja Tricarico
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