taz🐾lage: Stabile Trumplage
Es ist ein bisschen so, als sei man süchtig nach einem besonders trashigen Reality-TV-Format: megapeinlich, unmögliche Darsteller, aber wegschauen kann man irgendwie leider auch nicht. Die Rede ist von einem gewissen US-Präsidenten, an dem wir uns gerade auf den ersten drei Seiten dieses E-Papers allzu oft abarbeiten (siehe, ähm, die heutige Ausgabe). Es ist nun keinesfalls vergnügungssteuerpflichtig, sich 90 Minuten Trump-Rede auf dem Weltwirtschaftsforum anzuhören, da schaut man doch sehr sehnsüchtig nach draußen in die Wintersonne, aber was hilft’s: Dieser schwer selbstverliebte, eher schlechte Redner, der da in Davos einfach nicht von seiner Grönland-Fixierung abzubringen ist – sollte er der Ukraine die weitere Unterstützung versagen, weil er sein „Stück Eis“ nicht kriegt, dann muss man wohl berichten als Nachrichten verarbeitendes Medium.
Wir diskutieren hier übrigens immer wieder, wie viel Trump wir uns (und Ihnen) zumuten wollen. Alles hänge an den Lippen Trumps, beklagte sich ein Kollege, man reagiere morgens ja nur noch auf „Trump hat was gesagt“. Da interessierten „die wirkliche Welt und uns unsere realen Themen“ ja gar nicht mehr. Aber, siehe oben, das ist wohl auch das Problem: Die Auswirkungen des Trump’schen Gefasels sind leider ziemlich real. Wäre schön, man könnte nach zwei Folgen einfach abschalten, wie man es bei schlechtem Netflix ja doch manchmal hinkriegt.
Kleiner Lichtblick in der Eiseskälte der Nachrichtenlage: „Es ist 13.30 Uhr und bis jetzt sind wir Trump-frei auf der Titelseite“, vermeldete der Seite-1-Redakteur auf der Titelkonferenz. Doch, wir können auch noch abschalten. (akl)
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