taz🐾lage:
Großer Raum, große Gefühle
Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn: den Großraum. Dabei ist eine Redaktion ohne Großräume keine echte Redaktion. Das weiß man spätestens seit „Lou Grant“, jener krawallig-genialen US-Fernsehserie Ende der 1970er Jahre über die Los Angeles Tribune, in der alles, wirklich alles, öffentlich verhandelt wurde: Zoff mit der Verlegerin, Aufmacherstorys, Sex mit dem Ex, maskulinistische Hahnenkämpfe, sprich: Titel, Thesen, Temperamente. Denn alle saßen – bis auf Redaktionsleiter Lou Grant, versteht sich – im Großraum. Tisch an Tisch, Stuhllehne an Stuhllehne, hohe Papierstapel, ständig schrillende Telefone, mit diesem wunderbaren amerikanischen Klingelton, der leider verloren gegangen ist.
Aber auch Lou Grant war nicht abgeschirmt von seinen Leuten, er saß in einem Glaskasten. Weilte Lou Grant noch unter uns, würde er das taz-Haus lieben: viel Glas, viele Leute, fast nur Großräume. Und jeder von ihnen etwas Besonderes. Ganz besonders ist der im 3. Stock, ganz hinten links. Der ist nicht nur die gefühlt kälteste Ecke in unserem famosen Medienhaus, sondern auch wunderbar zusammengewürfelt: mit den Kolleg:innen von Le Monde diplomatique und dem taz-Meinungsressort. Neun Schreibtische, Papierstapel, Handygebimmel. Es wird geplant, getitelt, gelacht, vor allem, wenn LMd die Monatszeitung produziert.
Und gegessen wird auch: Schokolade, Brownies, Kekse. Manchmal wird auch geflucht: „Saukalt hier, weil die Balkontür schon wieder auf ist. Was soll das?“ Alles so wie bei Lou Grant.
Simone Schmollack
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