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talkshowFragen nach Ceuta

Marokko, Spanien und Portugal tragen die Männerfußball-WM 2030 aus. Werden afrikanische Fans ihre Teams in den europäischen Stadien supporten dürfen?

Von Frédéric Valin

Vor dem WM-Finale 2026 hielt Fifa-Präsident Gianni Infantino eine Rede, in der er eine eigenwillige Definition seiner Organisation (und auch seiner selbst) offenbarte. „Wir sind“, sagte er zwischen vielen anderen pathosgesättigten Sätzen, „seit 120 Jahren der offizielle Glückslieferant für die Menschheit.“ Und das sei die Fifa auch deswegen, weil sie die Welt in einer einzigartigen Art und Weise zu vereinen verstehe. Nicht der Fußball, wohlgemerkt, nein: die Fifa.

Auf dieser Mission befindet sich Infantino auch nach der „großartigsten WM aller Zeiten“, und zu diesem Zweck war er Ende Juli auch in Marokko. Dort wird in vier Jahren gemeinsam mit Spanien und Portugal die nächste Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen.

Anlass des jetzigen Besuches war der 27. Jahrestag der Thronbesteigung von Mohammed VI., und Gianni Infantino hatte viele warme Worte mitgebracht: In Marokko fühle er sich immer „ganz wie zu Hause“, und es werde auch wiederum die nächste großartigste WM aller Zeiten, schließlich fände sie in einem der schönsten Länder der Welt statt.

Fast zeitgleich begann die Flucht Tausender junger Menschen nach Ceuta, der spanischen Exklave an der marokkanischen Küste. Spanien reagierte ganz und gar nicht im Sinne einer miteinander verbundenen Welt, sondern schickte Militär, um die Grenze zu sichern.

Natürlich wird es als Antworten nur hohle Phrasen geben, aber trotzdem stellen sich der Fifa und gerade auch Infantino unter anderem eine ganz konkrete Frage: Werden afrikanische Fußballfans nach Europa einreisen dürfen, um ihre Mannschaften zu supporten, sollten die in einem Stadion der Iberischen Halbinsel antreten? Wird sich die Fifa gegen die europäische Abschirmungspolitik stellen?

Dass Infantino sich in Marokko ganz wie zu Hause fühlt, wird wohl erheblich damit zu tun haben, welche Orte er dort gesehen hat; vermutlich die Baustelle des Stade Hassan II, östlich von Casablanca. 115.000 Menschen sollen dort dann Platz finden, die Kosten werden auf 500 Millionen Euro geschätzt. Insgesamt investiert Marokko mindestens 1,7 Milliarden Euro in die Infrastruktur.

Ob sich das rentiert, ist fraglich. In der Vergangenheit haben sich megalomane Bauprojekte im Zuge einer Weltmeistermannschaft nur in wirtschaftsstarken Ländern gerechnet. In Südafrika, wo 2010 die WM stattfand, schrieben zehn Jahre nach der Austragung die beiden größten Neubauten nach wie vor Verluste.

Russland baute als Gastgeber 2018 sechs Stadien neu, unter anderem das Fischt-Stadion in Sotschi mit 46.000 Plätzen. Um es überhaupt bespielen zu können, wurde just im Jahr der WM eigens ein Fußballclub gegründet, der FK Sotschi. Er spielt in der zweiten russischen Liga, zum letzten Match kamen 2.702 Zuschauer. Auch in Katar sind die völlig überdimensionierten Stadien gähnend leer, obwohl die Fifa ständig neue Turniere dorthin vergibt. Mutmaßlich mehrere Tausend Arbeiter verloren bei den Baumaßnahmen ihr Leben.

Spanien reagierte ganz und gar nicht im Sinne einer miteinander verbundenen Welt

In Marokko selbst ist die WM entsprechend nicht unumstritten. Das Geld hätte durchaus auch in nachhaltigere Konjunkturpakete fließen können, die Jugendarbeitslosenquote in Marokko beträgt um die 38 Prozent.

Unter Umständen muss Gianni Infantino demnächst nicht mehr um all diese Fragen herumlavieren: Nach seinem ­Versuch, die WM teilzuprivatisieren, wächst der Druck auf ihn, viele Verbände verlangen seinen Rücktritt. Vielleicht geht er tatsächlich von selbst: Donald Trump soll Gianni Infantino als nächsten UN-Generalsekretär vorgeschlagen haben, berichtete die (nicht immer seriöse) New York Post.

Das Motto der nächsten WM steht ­bereits fest. Es lautet „YallaVamos“.

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