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szenen

Wir laufen durch den Mauerpark und genießen die Sonne. Eiskristalle streuen das Licht in alle Richtungen und verursachen Schneeblindheit. Schlau, wer eine Sonnenbrille dabeihat. Seitdem der Schnee zurück ist, ist uns etwas aufgefallen. Überall sind Schneekugeln zu sehen. Sie liegen verloren auf Wiesen, auf Verkehrsinseln und in Hauseinfahrten. Was hat das zu bedeuten? Einige der Kugeln sind hüfthoch, andere untenrum gelb. Schneemänner, schon klar. Aber ein Schneemann besteht aus drei verschieden großen, aufeinandergestapelten Kugeln. Haben die Kinder verlernt, Schneemänner zu bauen? Die erste Kugel rollen sie intuitiv, danach stehen sie ratlos vor ihrem Werk und wissen nicht weiter. Kann das sein? Oder handelt es sich um eine weitere verirrte Form von Aktivismus, Kältebusse abfackeln, Schneemänner köpfen? V. hat mir ein spätes Geburtstagsgeschenk mitgebracht: die Erstausgabe von Wildes „Canterville Ghost“ in der Übersetzung des großen Spötters Franz Blei. Blei hatte einst das Bestiarium der deutschen Literatur verfasst und angesehene Autoren als Tiere auftreten lassen.

Apropos, an der Schmeling-Halle schleicht jetzt ein Fuchs vorbei, eine Krähe im Schlepptau. Der Arme sucht etwas zum Lunch, meint V. mitfühlend. Die Krähe ist schlau und hängt sich an seine Fersen. Seit ein Fuchs unsere Kaninchen gefressen hat, hält sich mein Mitleid in Grenzen. In Wildes Erzählung kauft ein US-Gesandter ganz im Einklang mit Trumps Expansionismus das altehrwürdige Schloss Canterville samt Hausgespenst und zieht mit Kind und Kegel ein. Am Schluss wird das vom vielen Herumgeistern müde Gespenst erlöst. Der Fuchs im Schnee trottet weiter, die Krähe hinterher. Am Rodelberg ist kein Kind zu sehen. Stattdessen machen zwei Väter Selfies. Auf einem EURO1 Schrankenzaun rutschen sie den Hang hinunter. Der Schnee ist zurück, aber sonst ist nichts wie früher.

Sascha Josuweit

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