szene:
Der M19-Doppeldecker-Bus Richtung Berlin-Grunewald ist so voll, dass ich gar nicht erst versuche, einen der begehrten Plätze im Obergeschoss zu ergattern und mich sofort auf dem Zweiersitz vorne beim Fahrer niederlasse. Eine Station später steigt eine gestresste Mutter ein und beginnt, ihre drei Kinder auf die noch verbleibenden Sitze zu sortieren. Das kleinste davon setzt sie neben mich, während die anderen zwei bereits unaufhaltsam die Treppe hochwuseln.
Zuerst sitzen wir ruhig nebeneinander, dann sagt die BVG-Stimme: „Nächster Halt – Hasensprung.“ Das Kind sieht mich an. „Haaasensprung?“ Ich drehe den Kopf zur Seite. „Heißt das echt so?“ Aufgrund extremer Niedlichkeit muss ich lächeln und sage: „Ja!“ Das Kind kichert und fragt: „Gibt es hier denn Hasen?“ „Ich glaube nicht“, sage ich, „aber Deutschland hat ein paar witzige Namen für seine Orte. Einer heißt zum Beispiel Katzenhirn. Oder Kuhfraß gibt es auch.“ Das Kind wirft lachend den Kopf in den Nacken.
Hat sich die Recherche letztens also doch gelohnt, stelle ich zufrieden fest und kreiere im Kopf ein jugendfreies Comedyprogramm aus deutschen Ortsnamen. „Einer heißt auch – Pumpernudl.“ Das Kind haut sich mit den kleinen Händen lachend auf die Oberschenkel. „Und dann“, sage ich, „gibt es noch zwei sehr lustige Orte. Der eine heißt Oberkaka und der andere … Unterkaka. In Sachsen-Anhalt.“ „Sachsen-Anhalt“, lacht das Kind und wirft mich damit aus meiner Rolle als Entertainer. Ich halte mir lachend den Mund zu.
Kurz vor der Endstation kommt die Mutter, die wahrscheinlich selbst etwas Comedy gebrauchen könnte, mit den beiden anderen Kindern die Treppe runter. Sie pflückt mein Publikum vom Sitz, und als die Familie im Menschenfluss der Tür entgegenfließt, höre ich aus der Ferne: „Mama, wusstest du, dass es eine Stadt gibt, die O-ber-ka-ka heißt?“ Maik Gerecke Maik Gerecke
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