szene:
Foto: Ann-Christine Jansson
Abendbrot in der Wohnküche einer Demenz-WG. Es riecht nach Tee, Besteck klappert. Die Pflegerin richtet allen das Essen an, serviert jeweils einen Korb mit kleingeschnittenen Broten, einen Teller mit Käse und Wurst sowie eine kleine Schachtel mit Tabletten. Eine Bewohnerin beäugt argwöhnisch ihre Pillen. Die Pflegerin sieht es, nimmt ihre Hand: „Und hau ruck – ab in den Mund damit!“
Eine neue Frau sitzt allein an einem großen Tisch und schaut sich suchend um. Schließlich fragt sie: „Wo ist meine Sitznachbarin?“ Die Pflegekraft, gerade beim Essenausteilen, haut sich an den Kopf: „Na Mensch, danke, dass du mich erinnerst! Die müssen wir holen.“ Sie verschwindet kurz. Nach ein paar Minuten kommt die andere Frau langsam ins Esszimmer, ordnet sich im Gehen die Haare und ruft fröhlich: „Guten Morgen, ihr Lieben! Danke, dass ihr mich geweckt habt – sonst hätte ich nicht geschlafen.“ Die Neue winkt sie heran. Die Geweckte fragt: „Ist das mein Platz?“ – „Ja“, nickt die andere. Und fügt lächelnd hinzu: „Und ich erkenne dich sogar.“ Die Pflegerin sieht in die Runde und fragt dann eine Frau mit einem Teddy im Arm liebevoll: „Willst du den nicht kurz weglegen und kurz etwas trinken?“ Die Angesprochene nickt und murmelt leise: „Tee.“
Die Neue ruft: „Wir möchten trinken! Was gibt’s denn so alles zur Auswahl?“ „Tee, Saft, Wasser“, zählt die Pflegerin auf – und fragt dann grinsend: „Oder wollt ihr ein Sektchen?“ Die gerade Geweckte kichert: „Würden wir nehmen!“ Ein Mann räumt sein Geschirr weg und ruft: „Bis morgen, Schätzelein!“ Dann wird es still. Die beiden Frauen sehen zum Nachbartisch. Nach einer Weile fragt die Neue: „Warum reden die nicht? Passiert hier gerade irgendwas Spannendes – oder sind die alle dement, oder was?“ Die beiden Frauen sehen sich an – und lachen Tränen.
Eva-Lena Lörzer
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