piwik no script img

szeneAmphibien und Eich­hörnchen

Manchmal ist es, als würde ich über kleine Wolken laufen. An anderen Tagen fühlen sich meine Beine so schwer, als wären sie aus Blei.

Je nach Stimmung. Hin und wieder schenke ich den Hunden, denen ich begegne, ein Lächeln. Oder es entsteht dieses Dreieck von Blicken: Sie schauen mich an, heben den Kopf zu ihren Menschen, als wollten sie fragen, ob mir zu vertrauen ist.

Die Menschen sehen mich an, nicken zustimmend, und dann lächle ich auch. Es kommt aber auch vor, dass ich so in Gedanken versunken bin, dass ich nicht auf jene, die mich anlächeln, antworte. Ab und zu bin ich wie ein ferngesteuerter Roboter, der nur dem Rhythmus der Musik folgt. Oder wie ein peruanisches Cajón, von einer unsichtbaren Hand geschlagen.

Und es gibt Tage, an denen ich das Gefühl habe, mit meiner Runde alle Probleme lösen zu können, und ich versuche, mir die kleinen Erleuchtungen für später zu merken. Oft starte ich im Schillerkiez, umrunde das Tempelhofer Feld, gehe am Columbiabad vorbei, wo früher ein Corona-Testzelt stand und wo sich die Securitys heute an Regen­tagen langweilen.

Dann tanze ich ein bisschen herum, bis die Ampel Grün zeigt, biege in den Park ab und laufe dort eine kurze, mittlere oder lange Strecke, je nachdem, wie viel Zeit ich habe.

Doch zwei Stationen lasse ich nie aus: das Schild, auf dem „Vorsicht! Wanderung von Amphibien“ steht und auf das jemand einen Feuersalamander durchgestrichen und „Quatsch!“ gekritzelt hat – was mich jedes Mal zum Lachen bringt.

Und den Teich: Dort pausiere ich, um Meisen und Eichhörnchen Nüsse zu geben. Ich rufe sie mit ausgestreckter Hand, die Eichhörnchen legen ihre kleinen Pfoten an die Brust, ihr Herz rast, sie blicken mich an, als wollten sie fragen: „Meinst du mich, mich, mich?“

Luciana Ferrando