südwester: Verrückte Welt
Im Diesel-Betrugsprozess hat der Ex-Chef der Volkswagen-Antriebselektronik dem Eindruck widersprochen, Ingenieure hätten über Nacht beschlossen, Kunden zu betrügen. Der sei falsch, sagte er vorm Landgericht Braunschweig, wo er neben drei weiteren gefeuerten Top-Managern und -Ingenieuren angeklagt ist. Hatte das irgendjemand je vermutet? Stand nicht eher die Annahme im Raum, die Tricksereien mit den Abgaswerten seien lange geplant, sorgfältig ausgetüftelt und raffiniert verborgen worden? Insofern ist auch das Bekenntnis des Mannes, er hätte es sich „nie vorstellen können, als Angeklagter vor Gericht zu landen“, kein Hinweis auf seine Unschuld. Sondern eher darauf, wie stark das Erwischtwerden den Ingenieurs- und Nationalstolz kränkt. Denn es besagt: In dieser verrückten Welt hat „Made in Germany“ aufgehört, ein Gütesiegel zu sein. Sogar beim Schummeln.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen