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ortsgesprächIn Düsseldorfs Oper kann die Spielzeit nicht beginnen, weil das Gebäude marode ist

Die Musiktheaterspielzeiten beginnen überall, außer in Düsseldorf. An der Deutschen Oper am Rhein fällt der für das Wochenende geplante Auftakt aus: Bei einer turnusmäßigen Statiküberprüfung im August war der Bühnenturm gesperrt worden. Das ist der Gebäudeteil über der sichtbaren Bühne, in dem Scheinwerfer, Lautsprecher, Kulissenelemente oder auch das Flugwerk montiert sind, mit dessen Hilfe Dar­stel­le­r*in­nen die Szene scheinbar schwebend durchqueren können. Wenn das kaputt ist, droht der Absturz.

Das wird jetzt geflickt. Erst danach darf die Bühne wieder betreten werden. Deshalb fallen außer der Wiederaufnahme von Giacomo Puccinis Schmachtfetzen „Madama Butterfly“ und dem Theaterfest auch die zur Saisoneröffnung geplanten Führungen durchs Haus aus.

„Ohne die Bühne als unser Herzstück fanden wir das nicht sinnvoll“, sagt Opernsprecherin Tanja Brill. Stattfinden werde indes der Kostümverkauf am Sonntag, denn „der ist ja aufs Foyer beschränkt“. Und das ist begehbar, denn dort wurden schon vor Längerem vier provisorische Säulen eingepasst, die das Dach stützen.

Der Name führt ein wenig in die Irre: Düsseldorf ist eine echte Stadt. Die sechstgrößte sogar in Deutschland, ein Finanz- und Wirtschaftszentrum von europäischem Rang und Sitz von Nordrhein-Westfalens Regierung und Parlament.

Dass die Hauptstadt des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslands auch zu Repräsentationszwecken Bedarf an einer vorzeigbaren Oper hat, ist klar. Und Düsseldorf lässt sich die auch was kosten: Die Stadt bezuschusst jeden Besuch mit 266 Euro, rund 75 Euro mehr als im Bundesschnitt.

Allerdings scheint die Stadt im Nachdenken darüber, wie es damit weitergehen soll, mehr und mehr in eine Sinnkrise zu schlittern. Und dabei bleibt unklar, ob ein zutiefst im Gestern befangener Opernspielplan von geradezu erschreckender Mutlosigkeit nur Ausdruck dieser Krise ist – oder sie mitverursacht.

Nicht ausreichend genährt hat er wenigstens den Glauben, Düsseldorf könne sich als Standort einer „Oper der Zukunft“ profilieren: Der hatte 2021 zuerst einen Bürgerrat beflügelt und dann den Stadtratsbeschluss für einen Neubau. Ein Wettbewerb wählte im Herbst 2025 den Entwurf des Architekturbüros Snøhetta Oslo AS zum Sieger, und die Stadt kaufte für 137 Millionen Euro Grundstücke in bester Citylage.

Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) machte das Projekt zu seinem persönlichen Anliegen. Dabei lehnten es schon damals zwei Drittel der Düs­sel­dor­fe­r*in­nen ab. Angesichts finan­ziel­ler Risiken hat Keller dann am 5. Juni die Neubauträume für beendet erklärt Gedeckelt auf 1,0 Milliarden hätten die kalkulierten Kosten schon jetzt bei 1,8 Milliarden Euro gelegen.

Daran, dass auch mit dem Ausstieg nicht alle Probleme verschwunden sind, erinnert nun der verpatzte Saison­start: Der dampfbeheizte Altbau vom Ende des 19. Jahrhunderts, Mitte der 1950er Jahre von drei nazinahen Architekten überformt, ist marode. Schon die halbherzige Generalsanierung vor 19 Jahren hatte 30 Millionen Euro gekostet.

Um zu ahnen, dass die anstehenden Notreparaturen und eine Sanierung am Ende auch ins Geld gehen, ist es noch nicht einmal nötig, nach Köln zu schauen, wo die Renovierung mit 1,5 Milliarden Euro zu Buche geschlagen hat. Umso wichtiger wäre also zu überlegen, welchen Betrieb man wozu alimentiert, ob er ein Publikum auch jenseits der üblicherweise gut betuchten Kul­tur­leis­tungs­emp­fän­ge­r*in­nen finden kann. Und wie es ihm gelingt, die Stadt zu beleben.

Benno Schirrmeister

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