neues schulgesetz: Lange findet Weg nach Pisa nicht
Manchmal ist es schon verblüffend, wozu Sprache missbraucht werden kann. Die Aufhebung der freien Schulwahl als Stärkung von Elternrechten zu bezeichnen, gehört in diese Kategorie. Die Aufhebung der Lernmittelfreiheit als Schritt zur Verbesserung der Unterrichtsqualität zu feiern, ebenfalls: Es handelt sich schlicht um unwahre Tatsachenbehauptungen.
Kommentarvon SVEN-MICHAEL VEIT
Mehr Leistung zu fordern, ist ja in Ordnung. Diese muss aber auch befördert werden. Wer Lehrerstellen streicht, die Gesamtschulen dem Kollaps preisgibt und an Stelle von Integration auf mehr Repression setzt, fördert aber keineswegs, was erreichen zu wollen er behauptet.
Eine der wesentlichsten Erkenntnisse aus der Pisa-Studie ist, dass das Schulsystem in Deutschland, in Hamburg zumal, zu früh in Starke und Schwache selektiert. Diese Lehre aber wird ebenso wortreich wie geflissentlich ignoriert. Denn dieser Gesetzentwurf verstärkt noch die Undurchlässigkeit des dreigliedrigen Schulsystems. So werden Durchfaller produziert.
Die von Senator Lange skizzierte Politik zeichnet das Zerrbild einer Schulwirklichkeit, in der die soziale Herkunft der SchülerInnen und die Liquidität ihrer Eltern noch entscheidender für ihren schulischen Erfolg sein werden als bisher schon.
Von einem Schritt in eine national und international konkurrenzfähige Bildungszukunft dieser Stadt, die so gern eine Weltmetropole sein möchte, kann bei diesem Gesetzentwurf keine Rede sein. Es ist ein Rückschritt in die Zeit vor 1968.
Aber das ist ja wohl auch beabsichtigt.
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