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momentaufnahmenWenn man den Kopfhörer doch wieder abnimmt

Ich steige in Holthusen in den Regio und wuchte meine Tasche auf den Sitz. Der Mann gegenüber klappt seine Füße ein. „Es gibt keine Probleme, nur Lösungen“, sagt er. Er hat seinen grauen Bart zu zwei Zöpfen geflochten, trägt eine abgewetzte Jeansjacke und schielt. Als ich meine Kopfhörer aufsetzen will, teilt er mir mit, er sei noch leicht betrunken, er komme gerade von einer Beerdigung. Er kramt ein vorsichtig verpacktes Plakat hervor: das Foto seines verstorbenen Freunds, die Band, die gespielt hat. Die Beerdigung war ein Punkkonzert. Ich packe meine Kopfhörer wieder ein.

H. ist auf dem Weg nach Hause nach Sachsen-Anhalt. Er erzählt von seinem Freund, dem Stinker. Wenn der am Morgen Bier verlangt und man ihm Brot empfohlen habe, habe er nur gelacht. Er habe nicht mehr in Häusern gewohnt und gesagt, Steinhäuser machten Steinherzen. H. weint ein bisschen und entschuldigt sich.

Holthusen

977 Ein-wohner*innen. Durch die Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern fährt ein Regionalzug. Er bringt Menschen von Hamburg nach Berlin und von der Beerdigung nach Hause.

Dann greift er an seine Brust, wo sein Herz ist, und zeigt auf einen pinken Button mit einem Stinktier. Den hätten alle, die auf der Beerdigung waren, und es waren viele, und sie kamen von weit her. In Ludwigslust verabschiedet er sich und geht. Amira Klute